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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-10-01 · Heft 10 (1.10.1895) · p. Seite 236

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 10 (1.10.1895)
Date
1895-10-01
Page
Seite 236 (sequence 20)
Language
German
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236 ist zum Pfarrer für die evangelische Gemeinde in Baden nächst Wien ernannt worden. Zur Charakterisierung dieses wahrhaft edlen Priesters mögen einige Worte dienen, welche derselbe gegen den Antisemitismus von der Kanzel gesprochen. „Ich begreife nicht." sagte Herr Pfarrer Rolf, „wie der Verkünder der christlichen Lehre von der alle Menschen umfassenden Gottesliebe der abscheulichen Botschaft von Glaubens- und Rassenhaß das Wort reden kann. Ein Mann, der solches thut, gleicht fürwahr demjenigen, der Wasser predigt, aber selbst ausschließlich Wein trinkt. Man nennt den Antisemitismus eine Krankheit der Zeit. Ich möchte ihn eine Modethorheit nennen. Das Kokettieren von mitunter ganz ungebildeten Leuten mit sozial-politischen Reformen ist an und für sich lächerlich, aber ungemein berückend. Das Kleontentum tritt in verschiedenen Formen auf. Die neueste ist der Antisemitismus, den zu bekämpfen in erster Linie Pflicht aller christlichen Priester sein müßte. Die Konsequenzen der antisemitischen Lehre sind vor allem ein Aufgeben des Christentums, das ja nach Dührings Ansicht nichts denn ein verwässerter Hebraismus sein soll. Die Kulturgeschichte aller europäischen Völker wäre, voni antisemitischen Standpunkt aus betrachtet, eine große Komödie der Irrungen, die christliche Idee eine Farce, das Wort der Erlösung ein eitel Ding und keine taube Nuß wert. Das Wiedereinführen des Wodanknltus mag in der Fastnacht wohl am Platze sein. Ernste Männer, denen es um die sittigende Kraft der christlichen Idee zu thun ist, werden auf Wodanspässe nicht eingehen. Daß der Staat den destruktiven Bestrebungen des Antisemitismus im ureigensten Interesse steuern muß, liegt auf der Hand." — In der Akademie der Wissenschaften in Paris wurde kürzlich mitgeteilt, daß der Dominikaner P. Scheil im Museum zn Konstantinopel auf einer Basaltstele eine wichtige Entdeckung gemacht hat. Auf der Stele befindet sich in sechs leider arg verstümmelten Kolumnen eine Inschrift aus der Zeit König Nabonids (6. Jahrh. v. Chr.), worin neben anderen historischen Ereignissen auch die Zerstörung von Ninive erwähnt wird, für welche bisher noch kein inschriftliches Zeugnis vorlag. — In Bad-Ems starb am 28. Juli Herr Prof. Josef Derenbonrg aus Paris, einer der letzten aus der classischen Periode der modernen jüdischen Litteratur. — Der jüngst verstorbene Herr Karl Bogt war immer ein unerschrockener Vorkämpfer der Emanzipation, ein warmer Verteidiger der Inden. Seine letzte Standrede gegen den Antisemitismus schloß mit dem Satze : „Unseres Erachtens liegt der Schwerpunkt der ganzen Frage gar nicht im religiösen Gebiete, sondern in dem instinktiven Hasse der Unbefähigten gegen die Befähigten, der Armen gegen die Reichen, der Behäbigen gegen die Rührigen." — Am Jahrestage, da die Königin von England den Titel „Königin von Indien" angenommen, wurden auch zwei Juden zu Offizieren in Bombay ernannt, Eliezar Daniel und Salonion Israel, beide bei dein Bataillon der Polizei in Rangoon. S. Israel hat sich am 28. April l888 durch seinen Heldenmut bei dem Angriff auf ein befestigtes Lager bei Kyonken besonders ausgezeichnet. — In der New- JL

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