Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1895)
- Date
- 1895-10-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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225 Die von Herzen kommenden Worte des Redners drangen in die Herzeri der Hörer, und mit Begeisterung stimmte die zahlreiche Versammlung in die hierauf vom Choregesungene Jubelhymne ein. Von dieser Begeisterung getragen, erhob sich der Vicepräsident, Herr Dr. Gustav Gottheil von New-Aork, und sprach in seiner herzlichen, beredten Weise, Worte des Dankes und der Anerkennung in Erwiderung auf die Begrüßungsrede des Herrn Dr. Landsberg. In gerechter Würdigung hob er die großen Verdienste hervor, die sich dieser in seiner vierundzwanzigjährigen Wirksamkeit uin die seiner Führung anvertraute Gemeinde „Berith Kodesch" erworben, wie durch seine Bemühungen das Judentum eine achtunggebietende Stellung in Rochester einnehme, wie Vieles er besonders zum Werke der Eintracht zwischen den Bewohnern dieser Stadt beigetragen habe. In Bezug auf die Aufgabe der Konferenz sagte Dr. Gottheil: „Wir begehren keine ungehörige Autorität, wir wollen Ihnen kein lästiges Joch auferlegen. Wir wünschen, die Hände Ihrer Führer zu stärken, nicht durch dogmatische Autorität, sondern einfach durch die Macht der Überzeugung, die Stärke der Union, die Bande der Organisation. Unser Losungswort ist die Union. Unsere Vereinigung ist noch jung, und deshalb fragt man uns: „Was ist ihr Name?" Wir antworten mit den Worte des Midrasch, der uns erzählt, daß auf die Frage Mosis: „Was ist Dein Name?" Gott erwiderte: „Bin ich zu Deinen unterdrückten Brüdern herabgekommen, um nach meinem Namen gefragt zu werden? Durch meine Thaten sollst Du mich erkennen." So antworten wir: „Lernet uns durch unsere Thaten kennen, durch das, was wir ansgeführt haben. Wir haben einen großen Schritt vorwärts gethan, indem wir uns zu einem Rituale vereinigten, das allen Suchenden Trost und Vertrauen gewähren wird. Wer die Schwierigkeiten kennt, gegen welche wir zu kämpfen hatten, weiß, welcher Mut zu diesem kühnen Unternehmen gehörte. Gute Werke sind die Kundgebungen einer höheren Idee! „Vieles habe ich von meinem ehrwürdigen Lehrer, mehr von meinen Gefährten, am meisten aber von meinen Schülern gelernt," sagte ein Rabbiner des Altertums. Wir sind hierhergekommen, um von Ihnen zu lernen, denn alle tasten wir im Dunkeln." Mit warmen Worten der Anerkennung dessen, was der Nestor des amerikanischen Judentums in seiner langen, von Gott so sichtlich gesegneten Laufbahn für den Fortschritt und den Bestand des Judentums gethan, wie er im Wechsel der Siege und Niederlagen unentwegt treu zur Fahne gestanden, und mit Äußerungen des Dankes für die Gastfreundschaft der Gemeinde, schloß Herr Dr. Gottheil seine ineisterhafte Rede. Der Präsident, Herr Dr. Wiese, verlas hierauf seine Jahresbotschaft. - Am ersten Sitzungstage wurde der Bericht des Publieations-Komitees über die Einführung des allgemeinen Gebetbuches (Union Pray Book) verlesen.