Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1895)
- Date
- 1895-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 himmlischer Heilesschätze, als gewaltige Helden, als glorreiche Sieger auf der Wahlstatt des Gedankens; die Religion hat unseren Vätern Liebe und Begeisterung für Recht, Tugend und Erkenntnis eingeflößt; sie hat ihren Blick erhellt, ihr Herz durchglutet, ihren Geist erleuchtet, ihren Sinn gehoben, daß sie selbst in wüster Einsamkeit und trauriger Abgeschiedenheit konnten Trost und Labung finden an ihren heiligen Erinnerungen, an ihren herrlichen Hoffnungen, an ihrem höheren Bewußtsein. Die wahre Lehre Israels ist es, der wir fernerhin, immer und überall wollen mit Leib und Seele unterthan und ergeben sein, der wir mit allen den Kräften und Sinnen, die uns beseelen, wollen dienen und huldigen. Ja, nicht aus Selbstverblendung, nicht aus Selbstüberhebung, nicht aus Eitelkeit und Einbildung, sondern aus tiefster innerster Überzeugung, beraten von Vernunft und Gemüt, siegend über alle Zweifel und Anklagen, können wir unseren israelitischen Glauben als die reine ewige Wahrheit hinstellen, die alle Stürme der Zeiten nicht werden stürzen und brechen können. Dieses heilige Kleinod, dieses herrliche Erbtum wollen wir aber auch treu bewahren, bewahren vor Trübung und Fälschung, bewahren gegen Irrtum und Blendwerk. Ja offenbar soll die Herrlichkeit des Ewigen in unserer Mitte werden, und vor aller Augen sollen sie ausgebreitet liegen, die strahlenden Schätze des Heiles und der Gnade, die in den Büchern unserer Lehre liegen aüfgehäuft. Wir brauchen nicht geheini zu thun aus Furcht vor dem Gericht der öffentlichen Meinung, nicht zu schmeicheln dem Wahne der Menge, nicht zu betteln um die Gunst des Ansehens, wir wollen nicht nach außen glänzen, während nach innen alles hohl und faul ist, nach innen alles im Dunkeln und Argen liegt. Es ruft dies uns unsere Religion zu, daß wir ehrlich, daß wir wahrhaftig, daß wir entschieden seien, daß wir das lichte Wesen, die Geisteskraft unserer Lehre höher anschlagen, als die tote Satzung, die die Lebensmacht herabdrückt und die Denkfähigkeit vermindert. Was wir im Namen Gottes lehren, das sei wahr, das sei sinnvoll, das sei getragen von Gottes Gefft und zeigend von seiner Größe und Herrlichkeit. Das Gebot des Herrn, singt der Psalmist, sei so rein, so klar, so durchsichtig, daß das Licht fließe durch alle seine Teile und nichts daran bleibe dem betrachtenden Blicke verborgen. Es sei eine Leuchte das Gebot und die Lehre ein Licht und ein Weg zum Leben, die Anweisung zur Sittlichkeit, sagt der Weiseste unser Volkes. Blindheit und Finsternis dürfen da nicht Platz haben, wo helle Augen und Fülle des Lichtes als Sinnbilder der Lehre und ihrer Bekenner erscheinen. Die Stimme der Zeit wollen wir beachten, sie lehrt uns was not thut, auf die Stimme der Vernunft wollen wir hören, sie lehrt uns, was recht ist, aber die Stimme der Religion wollen wir stets befragen, sie kündet uns das Heil, das Licht und die Wahrheit, sie zeigt uns das Zeitliche im Spiegel des