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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-10-01 · Heft 10 (1.10.1895) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 10 (1.10.1895)
Date
1895-10-01
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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218 entgegensetzen, so hast Dn, v Herr, aus der Stille und Abgezogenheit eines kleinereil Wirkungskreises, aus weiter Ferne mich hierhergeführt, daß ich die Lehre Deiner Wahrheit klar mache einem großen Kreise Deiner Bekenner, daß ich mit den Edelsten und Würdigsten unseres Volkes mitarbeite an dem großen Werke unserer Erhebung und Erkräftigung, daß ich Lehrer und Wegweiser einer Gemeinde werde, welche seit Jahrhunderten als eine Leuchte und Krone Israels weit hinausstrahlt, seit Jahrhunderten dasteht als eine feste Burg unseres Glaubens, seit Jahrhunderten in ihrer Mitte öffnete der Wissenschaft einen labenden Quell, der Tugend und Gottesfurcht schuf einen Opferaltar, von dem stets der liebliche Düst edler Thaten zum Himmel aufftieg. Sei Du, o Herr, mit mir, beseele mich mit Geist von Deinem Geiste, gieb, daß Dein Licht und Deine Wahrheit mich führen und rüsten und weihen und schirmen, daß weder meine Vorgänger, die, reich an Wissen und Erfahrung, groß an Adel der Gesinnung und Kraft der That, vor mir hier sind gestanden, noch die Mitglieder dieser Gemeinde, die soeben dieses heilige Amt mir haben übertragen, in ihren Wünschen und Hoffnungen sich getäuscht sehen, daß alle meine Worte seien zum Heile und alle meine Werke zum Segen, daß ich den schweren Beruf, in den ich nun eintrete, eben so treu, eben so ganz, eben so würdig, eben so erfolgreich erfülle, wie die Pflicht es mir gebietet, wie die Sachlage es erfordert, wie mein Herz es mir befiehlt, wie diese Gemeinde es von mir erwartet Würdige mich, ewiger Gott Israels, daß durch mich werde Dein Wille geheiligt und Deine Lehre erhoben und Deine Wahrheit befestigt und verherrlicht Dein großer, göttlicher Name zu jeder Zeit. Amen. Meine andächtigen Zuhörer! Nachdem ich den Namen des ewigen, einzigen und allerhöchsten Gottes, bei dem allein ist die Macht und die Weisheit, habe angerufen, werde ich nun, zum ersten Male die Pflicht des Berufes übend, das Wort der Lehre von dieser Stätte an Euch richten. Ich werde heute vorerst nur gewisse Grundsätze klar inachen, auf die der Lehrer des göttlichen Wortes in Israel besonders achten, die Stimmen bezeichnen, auf die er selbst hören muß, wenn seine Rede soll Gehör, Eingang und Anklang finden bei allen, die da im Hause Gottes sich wollen kräftigen in dem Glauben und in der Uebung der göttlichen Lehre. Ich wähle zum Leitfaden dieser meiner heutigen Betrachtung die Worte des Propheten Jesaias, die in seinen Weissagungen (Kap. 40, V. 3—5) geschrieben stehen und folgendermaßen lauten: „Es ruft eine Stimme: In der Wüste bahnet den Weg des Herrn, ebnet in der Einöde eine Straße unserem Gotte." „Jedes Thal werde gehoben, jeder Berg und Hügel erniedrigt, die Krümmung werde zur Fläche und das Hochland zur Ebene." „Und offenbar soll werden die Herrlichkeit des Ewigen und einsehen soll es jedwedes Wesen, daß geredet hat der Mund des Herrn."

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