Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1895)
- Date
- 1895-07-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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168 kann er nicht und auf seine Freunde, mit Ausnahme auf die Kinder, kann er sein Vermögen nicht vermachen, das gehört dem König. Zuletzt raten sie dem Kaiser, seine diesbezüglichen Erlässe zu widerrufen; man möge sehen, wie Meisl zum Nutzen der Bewohner des böhmischen Königreiches diese Privilegien benutze. Keinerlei Kaufhandel führte er, Handelsgegenstände führte er nicht aus dem Lande heraus und aus anderen Ländern importierte er nicht, sondern was er bei großen Geldern unter dem Namen eines Darlehens durchführen wollte, nahm er von anderen, auch verkaufte er oft den Leuten verschieden und sehr teuer, fremde Schulden übertrug er auf seine Person und zum großen Teil auch auf andere Personen und ließ dann diese Kapitalien durch eine zweite und dritte Hand, auf den es sich bezog, unter Vorschützen von List, Wucher und Strafe, die dem Käufer gehören sollten, abführen und so brachte es dieses Land so weit, daß kaum irgend einer bares Geld für die gewöhnlichen Zinsen wird leihen wollen. Daß nach Meisls Tod dessen großes Vermögen konfisziert und in den Händen der berüchtigten kaiserlichen Diener zersplittert wurde, ist bekannt. (Aber warum und durch wen vgl. meine oben erwähnte Monographie.) Reben Meisl wucherten am meisten und übten Partity die Juden Marek, Rossek und Rabbi Israel. Es ist interessant, daß im Jahre 1592 der bekannte Bavor Rodovsky aus Hustizan vom Kaiser die Erlaubnis erhielt, diese Juden zu verfolgen, weil sie alle Stände plagen, um ihre Güter bringen, Aufsässigkeiten, Fälschungen und Betrug übe«.78) 78) Prager Archiv Band No. 1139, 99.103. Die Juden verteidigte der Advokat Tomäs Boduansky. (Fortsetzung folgt.) Im halt: Festrede zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der jüdischen Reform-Gemeinde in Berlin von Dr. M. Lewin. — Sprüche der Väter und ihre historischen Beziehungen von Dr. Friedmann in Lublinitz — Rede, gehalten bei der Trauung von Fräulein Nelli Brüll mit Herrn Sigmund Patak im israelitischen Stadttempel zu Wien am 16. Juni 1395. — Ein schöner Weltschmerz. — Ein Plagiat. , — Über die Juden Böhmens im 15. und 16. Jahrhundert von weiland Dr. M. Grünwald. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.