Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1895)
- Date
- 1895-07-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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159 entscheidend und richtunggebend sind, neben der Freude, die unseren Geist beschwingt, heiliger Ernst und wir sehnen uns nach Gottes Nähe. So rufe ich Euch denn in dieser so bedeutungsvollen Stunde das Wort des dieswvchentlichen Schriftabschnittes zu: „uschmartem es misehmeres hakodcsch“. Hütet ihn und wahret ihn den heiligen Dienst der Pflicht! Was Euch meine Teuren zusammengeführt, ich weiß es, es ist das Bewußtsein innerer geistigen Zusammengehörigkeit, ich brauche Euch darum auch an die einzelnen Pflichten nicht erst zu gemahnen, da deren Erfüllung bei Euch mit der Neigung des Herzens, mit der Neigung des Willens zusammenfällt. Du mein teurer Bräutigam! Ist Dir auch Mutterauge im Tode erloschen, das wie dir leuchtender Stern die Pfade Deines Lebens erhellte, so hast Du doch das Glück und die Freude Dich heute von Deinem teuren Vater umgeben zu sehen, der in Deinem Glücke seine Beseeligung suchet und findet, von liebenden Geschwistern und Freunden, die an Deinem Glücke den innigsten Anteil nehmen. Du hast es verstanden, mitten im wogenden, lärnienden Treiben des Tages Dir auch idealen Sinn zu bewahren, und ich spreche es vertrauensvoll aus: gewiß, gewiß! Du wirst der Erwählten Deines Herzens stets sein und bleiben, ein treuer, ein liebreicher Führer auf der Bahn des Lebens. Und Du meine Teure, die Du meinem Herzen so nahe stehest! wirst gewiß Alles aufbieten um den Mann Deiner Wahl zu beglücken, denn Dich geleiten in das neue Leben nicht nur Deine eigenen Vorzüge, die sich allgemeiner Anerkennung erfreuen, Dich geleiten, die Vorzüge Deines ach! allzufrüh verstorbenen, unvergeßlichen Vaters, dessen wir jetzt in Liebe und Wehmut gedenken, dessen Charaktergröße, dessen Herzensadel Dir Muster und Vorbild sein und bleiben werden auf der Bahn des Lebens, Dich geleiten die Vorzüge Deiner Ahnen, die durch ihr geistiges Wirken sich ein unverlvschliches Denkmal in unserer Mitte gesetzt haben, Dich geleitet der Segen einer Mutter, die mit soviel Liebe, mit soviel Sorgfalt, mit soviel Hingebung und mit seltenem Verständnis Dich unter dem göttlichen Beistand bis hierher hat geführt und geleitet. Dich geleitet der Segen einer greisen Großmutter, die Gott erhalten möge und die, obwohl fern von uns, mit ihrem Denken und Empfinden jetzt bei uns ist, Dich geleitet mein eigener tiefempfundener Segen, nüt dem sich der Segen Gottes verbinden möge. MT! Wir Menschen haben in solch' wichtigen Augenblicken, wie dem jetzigen, nur Wünsche nur Hoffnungen, nur Gebete; bei Gott allein, dem wir unsere Wege befehlen, daß er ebne unsere Pfade steht es, unsere Wünsche zu erfüllen, unsere Hoffnungen zu verwirklichen, unsere Gebete zu erhören. So blicken wir denn vertrauensvoll in dieser weihevollen Stunde zu Gott empor. Herr, der Du über den Sternen thronst! Deinen Schutz und Deinen Beistand erflehen wir für das teure Brautpaar, für die beiderseitigen Verwandten und Angehörigen, für