Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1895)
- Date
- 1895-07-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 146 — alles Volk, klein und groß, uub las ihnen ans dem Bache vor. Von einem erhöhten Stande erneuerte Josia den Bund mit Gott und das ganze Volk trat dem Bunde bei. Diese erhabene Veranstaltung bildet die Abendröte des Reiches Juda; mit Josia war der „Glanz" erloschen, und die Umrisse des babylonischen Exils tauchten in der Nbendäminernng auf. Immerhin, ob auch das Reich in Gefahr schwebte, die Augen des Volkes waren auf den Gottesbund gerichtet, und der Prophet dieser Zeit, Jeremia, konnte dem Volke verkünden: „Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da schließe ich mit dem Hause Israel und Juda einen neuen Bund, nicht gleich jenem, den ich mit ihnen nach ihrem Anszuge ans Ägypten geschlossen, und den sie gebrochen, sondern dieser Art ist der Bund: ich lege meine Lehre in ihr Inneres und auf ihr Herz schreib' ich sie, dann werde ich ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein." Diese Verheißung erfüllte sich innerhalb eines Jahrhunderts. Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil ward von Esra und Nehemia eine große Versammlung nach Jerusalem berufen , um diesen neuen Bund mit Gott zu schließen. Ihr Gelübde wurde uiedergeschrieben, und von Nehemia, den Priestern, Leviten und Obersten unterzeichnet und besiegelt. Fünf Jahrhunderte waren dem zweiten Staatsleben beschieden, das Volksgemüt fand im Gesetze die starken Wurzeln seiner Kraft, so daß jeder Versuch, das Heidentum einzuführen, scheitern mußte; wir dürfen nur auf die Makkabäer Hinweisen, um den Geist zu erkennen, der jetzt das Volk beseelte. Doch in Gottes Plane lag es, daß Israel, nachdem es die Lehre in sich befestigt, aus den Grenzen eines staatlichen Volkes heraustrete und als seine „Zeugen" in der Völker Mitte eintrete. Mit dem Fall des zweiten Tempels war Israel als „Messiasvolk" geboren und der Weg seiner hehren Aufgabe ihm eröffnet. Indes die dornenvolle Bahn, die es betreten, ließ es die Wanderung durch die Länder als „Galus", als eine Verbannung betrachten; die Sendung war ihm noch nicht zum Bewußtsein gekommen, und so erschien ihm das grausige Martyrium als „Sühne" für seine Sünden; durch ein gesetzestrenes Leben hoffte es die Erlösung zn erwirken und die Rückkehr in die angestammte Heimat. Achtzehn Jahrhunderte vergehen, ehe denn über Israel ein befreiender Geisteshauch hinweht, daß ihm seine von den Propheten vorgezeichnete Bestimmung wieder vor Augen tritt. Seit Esras glorreichen Tagen hat uiisere Geschichte keine solche Vereinigung zu verzeichnen, wie die heut vor einem halben Jahrhundert iu den Mauern dieser Residenz unter der Leitung von Sigismund Stern stattgesunden. Zn unserer Freude weilen noch mehere in unserer Mitte, die Zeugen waren jener lebenweckenden Vereinigung, und die bis heute Mitglieder unserer