Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1895)
- Date
- 1895-06-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 143 — ihres verstorbenen Oberrabbiners Marco Mvrtara den Rabbiner von Reggio Emilia Prof. L. Levi, berufen. Die Cultusgenieinde von Berona hat ihren bisherigen Vice-Rabbiner Angelo Carrpi, zum Oberrabbiner ernannt. Theater, Wustk und bildende Kunst. Am 2. Mai eröffnete der Wiener Hofbnrgschauspieler Herr Adolf v. Sonnenthal nach langer Pause ein Gastspiel im Stadttheater zu Frankfurt a M., als Nathan. Das herrliche Bild des Dichters, das sowohl, wenn man die Judenheit, wie auch die Christenheit betrachtet, immer nur einzelne geistig und ethisch hervorragende Persönlichkeiten wiederstrahlt, die in der echten, unverfälschten Humanität die herrlichste Frucht der Religion erblicken, gewinnt gerade in unserer Zeit der konfessionellen Kleingeisterei erst recht an Wert und Bedeutung und das Theater ganz besonders ist die Stätte, um dem Hasse und der Verlogenheit gegenüber, die sich auf Kanzeln und Kathedern breit machen, die unvergleichlichen Lehren des Friedens und der Humanität, wie sie unsere klassischen Dichter und Denker verkündet haben, zu vermitteln. Herr v. Sonnenthal versteht es, Nathans Worten jene überzeugende Kraft einznhauchen, die den Hörer unwiederstehlich mit sich jfortreißt. Ferne von jeder Effekthascherei ist es gerade die Einfachheit, aus der völligen geistigen Durchdringung des Stoffes stammend, die uns in Herrn v. Sonnenthal einen der berufensten und künstlerisch vollendetsten Interpreten der Lessing'schen Dichtung erscheinen läßt. Er versteht es, den Nathan mit jener zielbewnßten, siegesgewissen, geistigen Überlegenheit auszustatten in der edler Stolz mit wahrer Demut gepaart ist, die nur da anzutreffen sind, wo echte Weisheit ihre Wohnstätte hat. Besonders meisterhaft war der Vortrag der Ringfabel. Es wuchs gleichsam vor unfern Augen die Begeisterung des Künstlers bis sie ihren Höhepunkt erreichte. Auch die heimischen Schauspieler leisteten Gediegenes und war anch die Recha von Frl Laudori eine Leistung , die alle Anerkennung verdient. — Der berühmte Bildhauer.Herr Marcus Antoholskij wurde mit dem Auftrag betraut, Kaiser Nicolaus II. zu modellieren und dann in Marmor zu reproduzieren. Seit einiger Zeit arbeitet bereits der Künstler, der Schöpfer des „Christus" „Sobontor", „Spinoza", „Moses", „Peters des Großen" und „Jarmah", im Anitschkowpalais an der Büste des jungen, russischen Monarchen. Obgleich die Akademie der Künste für die Juden hermetisch geschloffen ist, sind aus derselben doch bedeutende Bildhauer wie Antoholskij, Bernstamm (gegenwärtig Direktor des Museums in Paris), Günzburg, Frl. Dillon und