Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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37 Adler war Börsenmakler. Sein Interesse für ein aufgeklärtes Judentum und für die Verbesserung des Gottesdienstes veranlaßten ihn in den vierziger Jahren neben seinem Berufe einen Verlag für jüdische Litteratur zu errichten. In ihm erschien eine „Tephillah" für Frauen mit deutscher Übersetzung. Das Titelblatt dazu „die betende Hannah" hat Professor M. Oppenheim geliefert. Aus seinem Verlage kam auch die von Leopold Stein deutsch bearbeitete und mit neum Liedern vermehrte Hagada und die von Creizenach und Jost redigierte Zeitschrift „Zion". Obgleich er weit davon entfernt war, sich zu den Gelehrten rechnen zu wollen, so stand er doch mit vielen Männern der Wissenschaft in Verbindung. Abgesehen von den Frankfurter Gelehrten, mit denen er einen regelmäßigen Verkehr unterhielt, waren es besonders Moritz Stern, Gabriel Riesser, Theodor Benfey, Berthold Auerbach, die häufige Gäste seines Hauses waren, und mit Siegmund Stern, dem nachmaligeil Direktor des Philanthropins, sowie mit Rebenstein (Bernstein) war er durch ihre Reformbestrebungen innig befreundet. Abraham Geiger gedenkt seiner (s. Abraham Geiger's Leben, herausgegeben von Ludwig Geiger) in Freundschaft und Dankbarkeit. Im Jahre 1845 zur Zeit der Frankfurter Rabbinerversammlung war sein Haus der Sammelpunkt der Rabbiner. Nicht minder wie dem Judentums war sein Herz dem deutschen Baterlande ergeben. Im Februar des Jahres 1848 verlor er den größten Teil seines Vermögens und wenn er sich nunmehr mit seinen Kindern — er war schon seit 1841 Witwer — einschränken mußte, so verminderte das keineswegs die Empfindungen des gewaltigen Flügelschlages und die Empfänglichkeit der Begeisterung jener Zeit. Adler verkehrte mit vielen Parlamentariern, und seine treffenden Ansichten wurden mitunter als die des befreundeten Laien in der Paulskirche von der Tribüne herab verkündet. Carl Vogt, der, so oft er nach Franffurt kam, ihn an der Börse auffuchte, beehrte ihn noch kurz vor seinem Tode, da er ihn an der Börse nicht gefunden hatte, mit seinem Besuche im Hause; es war ein letzter Sonnenblick in seinem Leben. Die vornehmste und hervorstechendste Eigenschaft Adler's war, wie oben schon bemerkt, das nie ermattende Streben, seinen Mitmenschen zu helfen. Weder Widerwärtigkeiten noch Undank vermochten sein Herz vom Wohlthun abzuhalten. Wenige Tage vor seinem Tode, — es war an einem Erew Pesach, den er stets besonders hochhielt, — ließ er sich einige bedürftige Familienväter rufen und versorgte sie mit Wein und Geld für die Feiertage. An jenem Seder-Abend nahm er Abschied von seiner versammelten Familie. „Weinet nicht und klagt nicht", so sagte er, „bald habe ich ausgelitten. Laßt uns die wenigen Tage, die uns noch zum Zusammensein vergönnt find, in froher Erinnerung und in Dank gegen Gott verleben". Also geschah es. Es waren erhebende Tage für die zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilten Kinder und Schwiegersöhne und seine drei