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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-12-01 · Heft 12 (1.12.1893) · p. Seite 286

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 12 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 286 (sequence 22)
Language
German
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28« München. Seit Anfang der 1890 er Jahre wirkt er in Leipzig als Dirigent eines Gesangvereins. — In Lemberg besteht ein sogenanntes jüdisches Theater. In demselben wurde die Oper „Judith und Holosern" zum hundertsten Male gegeben. Als Schauspieler leistet Hervorragendes Herr Selke Schorr. — In Weilburg wurde ein Verein gegründet, der den Zweck hat: 1., den Gottesdienst durch Chorgesang zu verschönern; 2., seinen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, durch Anschaffung von mehreren jüdischen Zeitschriften sich mit den Vorgängen im jetzigen jüdischen Leben bekannt zu niachen und 8., die gesellige Annäherung der Mitglieder durch öftere Veranstaltungen von Abendunterhaltungen zu fördern. — In Düsseldorf wurde ein „Männer-Gesang-Verein" mit Namen „Loge" gegründet mit der Aufgabe den Synagogengesang zu pflegen. — In einer Moschee in Gaza fand man auf einer korinthischen Säule eine halb erhabene Abbildung des siebenarmigen Leuchters. Eine unterhalb des Bildwerkes angebrachte griechische und hebräische Inschrift erhält eine Widmung an Ananias, den Sohn Jakobs. Die Säule gehörte wohl einst zu einer dortigen Synagoge. — In Berlin wurde von dem Leiter eines Konservatoriums für Musik, M. Wigodzki, eine Anstalt zur Ausbildung jüdischer Kantoren ins Leben gerufen. — Der in deutschen Künstlerkreisen populäre und allenthalben hochgeachtete Maler Herr Ignaz Perlsee ist am 7. Oktober in Prag im 71. Lebensjahre plötzlich verschieden. Der Verblichene absolvierte die Malerakademie in Prag und wandte sich hierauf behufs weiterer Ausbildung nach Wien und schließlich nach Rom, wo er mehrere Jahre verweilte und mit den hervorragendsten Künstlern in Verkehr trat. — Albert Weil's "Synagogengesänge für Cantor und Männerchor" verdienen in jeder § insicht die vollste Anerkennung. Im Vorwort erläutert der bisher unbekannte antor und Componist die Nothwendigkeit seines Unternehmens. Wir können der Begründung nur vollständig beistimmen. Durch das ganze Heft geht ein so frischer und dennoch andachtsvoller Zug, daß uns die Bekanntschaft mit diesen Gesängen herzlich gefreut hat. Die Chöre sind im Allgemeinen nicht schwer auszuführen und werden entschieden immer Wirkung ausüben. Die Solostellen für den Cantor müssen wir ohne jede Uebertreibnng als Meisterstellen bezeichnen. Wir finden hier stets eine schöne und dennoch nicht überladene Coloratur, die immer sehr melodiös ist. — Wir unterlassen es, die einzelnen Chöre und Solostellen eingehender zu besprechen, da wohl jeder musikalische Cantor das Heft anschaffen wird. — Die schön ausgestatteten Synagogengesänge (für den Morgengottesdienst) sind im Verlage von A. I. Hofmann in Frankfurt a. Main erschienen. — Für weiland Graf Julius Audrüßy läßt die dankbare Hauptstadt Budapest ein Denkmal errichten. Einen sehr schönen Entwurf hat der rühmlichst bekannte Bildhauer Herr Max Klein in Berlin eingesendet. Klein ist ein geborener Ungar. — Anton Rubinsteins jüngster Sohn Alexander ist 21 Jahre alt, in Cadenabbia (Italien) gestorben. — Die Synagoge in Solkiew ist eine der merkwürdigsten Bauten ihrer Art. Bon einem siegreichen Feldzüge gegen die Tartaren (1675) heimgekehrt, erbaute der große Polenkönig Johann SobieSki HI. in Solkiew, seiner Lieblings-Residenz, eine Synagoge und eine Kirche, um so die Parität aller seiner Unterthanen zum Ausdruck zu bringen. Die Synagoge, im byzantinischen Stil erbaut, imponirt durch ihren äußeren Umfang, wie durch die Pracht der inneren Einrichtung, die Fülle und Gefälligkeit der Ornamentik. Die Zeit ist an dem wunderbaren Bau nicht spurlos vorübergegangen, und gerade jetzt lvird derselbe einer durchgreifenden Renovirung unterzogen, wobei der ursprüngliche Charakter festgehalten, namentlich der einzig großartige Schmuck der Ost-Wand wiederhergestellt wird.

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