Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 284 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Ideen kämpfte auch der Verewigte unermüdlich, und es war ein schwerer Kampf, denn es sei viel leichter, ein großes Heer zu bekriegen, als Vorurteile zu bekämpfen, besonders auf religiösem Gebiete. Herr Dr. Jellinek erwähnte auch der Thätigkeit Mannheimer's in der ersten gesetzgebenden Versammlung, deren Mitglied er war und in der er zum Generalredner für die Abschaffung der Todesstrafe gewählt wurde. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde beschloß, das Andenken Mannheimer's durch eine „Mannheimer-Stiftung", sowie auch durch Anbringung einer Gedenktafel im Bethause der Inneren Stadt zu ehren. Es wurden außerdem auch iu Prag, Budapest, Kremsier und an anderen Orten Gedenkgottesdienste abgehalten. — In Innsbruck übernahm Herr Dr. Koback, früher Rabbiner in Bamberg und Lemberg, die Stelle als Prediger und Religionslehrer. — Bei der Demolirung des fürstlich Schwarzenberg'schen Palais in der Kärntnerstraße in Wien wurde ein geborstener Grabstein mit einer hebräischen Inschrift aufgefunden, die die Cultusgemeinde daselbst entziffern lassen wird. Dadurch behalten jene Wiener Chroniken Recht, welche behaupten, der älteste jüdische Friedhof in Wien habe sich im Süden der alten Stadt, und zwar in der Nähe des Platzes, auf dem später die kaiserliche Burg erbaut worden ist, befnnden. Auf diesem Friedhofe wurde nun wahrscheinlich auch der Or-Sarua, der im 11. Jahrhundert in Wien Rabbiner war, begraben. Wien war überhaupt schon in den frühesten Zeiten in Folge seiner Lage an der Donau, längs der sich die Handelsstraße von Constantinvpel nach Regensbnrg und dem Rheine hinzog, Sitz einer jüdischen Gemeinde. — Man schreibt uns: „Sonntag am 22. Oktober wurde am Central- Friedhofe in Wien Herr Efraim Feith im Alter von 81 Jahren zur Erde bestattet. Derselbe war durch 50 Jahre fleißiger Mitarbeiter der „Zeitung des Judentums", wirkte 36 Jahre als Religionslehrer an den Mittelschulen in Tarnow (Galizien), stand mit vielen jüdischen und christlichen Gelehrten in Correspondenz und wurde im Kreise seiner Bekannten als Gelehrter auf hebräisch und deutschlitterarischen Gebiete hochgeehrt." Friede seiner Asche. — Krumme Nase und krumme Beine sind die stereotypen Kennzeichen, ohne welche gewisse Witzblätter keinen Juden darzustellen vermögen, trotzdeni unsere jungen Männer zu Tausenden sich als stramme Soldaten, als wackere Offieiere, als muthige Kämpfer vor dem Feinde bewährt haben. Der 1862 in N. Körös geborene Karl Fordor ist ein Muster männlicher Kraft, dessen gewölbter Brustkasten, sehnige Arme und durchaus nicht xartig gebogene Beine den Fechter pur excellence verraten. Dieser Jude ist Fechtmeister und hält einen Fechtsaal, der seinesgleichen in Europa nicht hat. Tausende Schüler aus allen Ständen, Magnaten, Reichstagsabgeordnete, Professoren, Militärs sind Schüler Fordor's, der von den berühmtesten Fechtmeistern Europas — mit welchen er sich im Fechten versucht hat — Anerkennungsschreiben besitzt. Merkwürdig ist die Aeußerung eines Budapester Blattes: „Es hat früher hier Krakehler gegeben, die, weil sie den Degen gut zu führen verstanden, mit Jedermann und bei jeder Gelegenheit Händel suchten und ein Duell erzwangen. Seitdem Fordor zahlreiche Schüler herangebildet hat, sind diese Krakehler verschwunden." — Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag hielt am 22. Oktober seine Generalversammlung ab. Der Bericht des Geschäftsleiters Herrn Dr. Friedrich Dnschenes erwähnte, daß die Einnahmen des vergangenen Jahres 14.125 fl., die Ausgaben 3945 fl. betrugen. Der Gesammtvermögensstand des Vereins beziffert sich auf 14.781 fl. — In Galszecs starb im Alter von 106 Jahren Herr Salomou Markowitsch. Er war zweimal verheiratet und ist seine ztveite Gattin eine Woche vor ihm im Atter von 100 Jahren