Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ct tt tt t tt l tt 11 C t~ zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Begründet und herausgegeben von Rabbiner Dr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6.— per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 13. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. November 1893. Kummer 11 Weden, gehakten am Weuzahrsfelle und Werföhnungstage des Jahres 1893 in Frankfurt a. M. von Rabbiner Dr. Adolf Brüll. Erste Rede. Neujahrs-Vorabend. Meine andächtigen Zuhörer! Als ein Tag der Erinnerung, der unsere Blicke in die Vergangenheit lenkt, kündet das Fest des Neujahrs sich an, zu dessen Feier wir in dieser weihevollen Stunde jetzt hier versammelt sind. Zeit des Gedächtnisses, der Geistesschau, der Selbstprüftmg, der Lebensbetrachtung, in diesem alten ursprünglichen Namen des Festes ist die ganze Fülle seines Inhalts, ist die ganze Hoheit seiner Bedeutung, ist die ganze Tiefe seines Gehaltes auf's klarste und deutlichste dargelegt und auf's vollkommenste ausgesprochen. Und wenn wir es auch wissen, daß in dem Buche unserer Erinnerungen so manches Blatt mit Thrünen geschrieben und in demselben so manche Klage unseres Herzens verzeichnet ist, wenn wir da gar oft vom Fehlschlage unserer Hoffnungen lesen, von Enttäuschungen und Niederlagen, die uns geworden, wenn noch so viel leerer Tand und gewöhnliches Alltagstreiben in demselben verzeichnet ist, wir weilen doch immer wieder gerne und nicht ohne geistigen Nutzen auf den Gefilden der Vergangenheit, in welchen unsere Erinnerungen wurzeln, aus denen Gegenwart und Zukunft sich herausgestalten. Mag das alte Jahr auch inanches teuere Grab uns aufgeschichtet haben, mag da auch mancher Gram in unser armes Menschenherz eingezogen sein, wir möchten sie nicht missen die Erinnerung, die mahnend, aber auch verheißend uns