Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1893)
- Date
- 1893-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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230 auf die Sittlichkeit, Erhabenheit, Hoheit und Heiligkeit des Judentums im Allgemeinen schließen müssen. Daß die Ehrung und Verherrlichung unserer Gesamtheit nichts so sehr zu fordern vermag, als das tadellose Verhalten, das sellstlose Wirken einzelner Inden, beweist schon die Geschichte. Sie erzählt, daß der siegreiche syrische Feldherr, Naeman von einer entsetzlichen Krankheit befallen wurde, von der ihn Niemand befreien konnte. Endlich kam er zu einem Hebräer, zum Propheten Elisa, der ihn ans die einfacliste Weise geheilt und gerettet hat. Naeman erbat sich hierauf die Gunst de» Elisa beschenken zu dürfen. Doch der Prophet schlug dies Anerbieten trotz alles Drängens ans. Da rief der syrische Feldherr voll Begeisterung ans: „Siehe, jetzt erst erkenne ich, daß es keinen Gott ans Erden giebt, als den Gott Israels." Zugleich nahm er auch soviel Erde des Landes mit, als notig war, um einen Altar ausznfüllen, ans welchem er daheim dem wundertätigen Gotte Israels allein Opfer darbringen wollte. Sv wnrde ein gar mächtiger Feind Judas durch die uneigennützige Wvltätigkeit eines einzigen Inden bekehrt! Der Talmud berichtet über ähnliche Fälle. Simeon den Tchetach trug Flachs zu Markte, um etwas;,»t verdienen. Da sagten seine Freunde zu ihm: Laß dieses Geschäft, nur »vollen dir Helsen damit du dich nicht so sehr abznmühen brauchst. Sie kamen bald nnd sprachen zn ihm: Von nun an brauchst du dich nicht mehr so zu quälen. Er antivvrtete: Warum sagt ihr das? Nun, »vir haben dir ein Pferd gekauft, der Sarazene hat es verkauft nnd es hängt an ihm eine Perle. „Weiß es der Eigentümer des Pferdes?" „Nein." Da sprach er zu ihnen: „Geht und bringt ihm den Edelstein zürück. Was meint ihr? Denkt ihr denn, daß ich Simeon ben Schetach, ein Barbar sei nnd mit aller Gewalt reich werden möchte? Nein, ich will lieber, daß man spreche: „Preis dem Gotte der Inden, als jeden Gewinn in der Welt!" Einst verlor die Kaiserin von Nom ein kostbares (Geschmeide. Sie ließ deshalb im ganzen kiteiche bekannt machen, »ver ihr das Borlorene binnen 30 Tagen wiederbringe, solle eine große Belohnung erhalten, geschehe dies nach 30 Tagen so verliere der Finder den Kopf. Ein Jude, namens Samuel, fand den Schmuck, gab das Gefundene jedoch nicht in den dreißig Tage»», sondern erst nach Verlauf derselben, zurück. Tie hohe Fron fragte ihn, ob er im Lande gewesen sei und die Bekai»ltmac!,n»g vernommen habe? „Ia ivohl!" „Warum hast du das Verlorene nicht in» Laufe der dreißig Tage znrnckgebracht?" „Damit man nicht denken sollte, entgegnete der Jude, ich hätte es ans Furcht vor der Strafe und nicht ans Ehrfurcht vor Gott gethan." Hierauf sagte die Kaiserin: „Preis Israel, Heil seiner Thora, die solche Bekenner hat!" In solcher Weise heiligte, ehrte nnd verherrlichte ein biederer, rechtschaffener nnd edel denkender Jude seinen Stamm nnd sein Volk! Es ist uns klar geivvrden, daß die beste Bahn, ans »velchcr »vir wandeln müssen nnd >vo »vir die Nutze unserer Seele finden, der Weg ist, den ich Euch heute gezeigt habe, der zur Selbstlänternng, Selbstvervvllkvnnnnnng, dann znm Dienste und zur Heiligung unserer Gesamtheit führt. Es wächst daher die dreifache Pflicht für einen jede»» Einzelnen unter »ins, zuvorderst sich selbst zu vervollkommnen, dann sich dem Dienste der jüdischen Gemeinschaft z>» »vidmen nnd durch sein Thun und Lassen, seine Thaten nnd Neben zur Ehrung nnd Verherrlichung der Gesamtheit des Judentums beizntragen. Glaubt mir, auf diesem Wege allein erblüht uns das Heil! Denn nur hierdurch ist Befriedigung nnd Selbstschätzung zn finden. Das Ergebnis dieser beide»» geistigen Umstände ist aber die Selbstachtung, welche