Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 großherzigen Schenkung eines edeln Menschenfreundes wird aus Galveston in Texas geschrieben: Heute am 20. Mai wurde hier das Testament des vor Kurzem verstorbenen deutsch-schweizerischen Millionärs und Bankiers Henry Kosenberg geöffnet. Aus dem Testamente geht hervor, daß Rosenberg sein großes Vermögen zur Hälfte zur Verwendung für gemeinnützige, erzieherische und religiöse Zwecke bestimmt hat. Das Gesammtvermögen Rosenbergs betrug zwei Millionen Dollars. 400000 Dollars hat er seiner Wittwe und seinen Verwandten vermacht, dem Waisenamt Bitten, Kanton Glarus, Schweiz, für wohlthätige und erzieherische Zwecke 50000 Dollars, der Gemeinde Bitten 30000 Dollars, dem protestantischen und dem jüdischen Waisenhaus in Galveston je 30000 Dollars, dem deutschen Frauen- Hilfsverein der lutherischen Gemeinde 10000 Dollar, für ein Frauenheim 30000 Dollars, 50000 Dollars für ein Denkmal für die Helden der texanischen Revolution von 1830, 30000 Dollars für öffentliche Trinkbrunnen und den Rest, etwa eine Million, zur Gründung einer Freibibliothek in Galveston. Eine Hochschule hatte er der Stadt schon bei Lebzeiten geschenkt. Rosenberg kam vor fünfzig Jahren als armer Junge nach Galveston und hat dort sei» Gluck gemacht. Ans Dankbarkeit hat er jetzt die Stadt so glänzend bedacht. Rosenberg war ein Deutscher von echtem Schrot und Korn, und das Deutschtum von Texas verliert in ihm einen seiner edelsten Angehörigen. — Der Bey von Tunis hat für die Alliance-Schulen eine Subvention von 6000 Francs bewilligt. — Herr Großrabbiner Dr. Grünwald schreibt uns aus Sofia: In Salonichi ist soeben von Iehuda Jacob Uechama dessen Correspodenz mit S. L. Rappaport, Regio, Zunz und Stern veröffentlicht worden. — Das Gesetz, nach welchem den Inden in Palästina Land anzukaufen und Häuser anzulegen seit Monaten streng verboten war, ist aufgehoben tvorden. — Man berichtet uns: Am 13. Juni traf der Fttrsterzbischof von Olmütz Herr Dr. Theodor Kohn in dem zu seiner Erzdiözese gehörenden Städtchen Eiwanowih ein. Unter Anderen wurde auch eine Deputation der Kultusgemeinderepräsentanz mit dem Bezirksrabbiner Herrn Leop. Eisler an der Spitze vom Kirchenfürsten empfangen, wobei Ersterer folgende Ansprache hielt: „Als Rabbiner und Seelsorger der hierortigen israel. Kultusgemeinde, erlaube ich mir Euer Fürsterzbischöflichen Gnaden, in deren Namen ehrfurchtsvoll zu begrüßen, und hieran die ergebene Bitte zu knüpfen: Euer fürsterzbischöflichen Gnaden wollen als wahrer hoher Priester der Humanität, des Rechts und der Gerechtigkeit, auch uns Israeliten, insbesondere im Hinblicke auf die derzeitige unliebsame, um nicht zu sagen feindliche Bewegung dem Judentume gegenüber, Ihr Wohlwollen und Ihre Gewogenheit zuwenden, entsprechend dem erhabenen Gottesworte, das gewissermaßen das Fundament, die Grundlage der Moral¬ und Sittenlehre bildet: Liebe deinen Nächsten, welchen Standes, welchen Stammes und welchen Glaubens immer er auch sein möge, wie dich selbst," da wir ja alle, alle, Kinder Eines Vaters, des himmlischen Vaters sind. Auf diese Ansprache erwiderte der Kirchenfürst folgendes: „Ich danke Ihnen sehr für die freundlichen, lieben Worte, die Sie an mich gerichtet haben und werde dieselben in Erinnerung behalten, da ja „Nächstenliebe" auch zu den Grundprinzipien unserer Religion gehört." — Man schreibt uns vom Sofia: Am 14. Juni um 5 Uhr Abends empfing Seine König!. Hoheit Fürst Ferdinand von Bulgarien und dessen Gemalin die Fürstin Marie Louise die Vertreter der Judenheit Bulgariens unter Führung des Groß-Rabbiners Dr. M. Grünwald. Dieser überreichte eine prachtvolle Adresse im Namen der gesamten Judenheit Bulgariens. Der Fürst antwortete hierauf: „Herr Groß-Rabbiner! Wollen Sie der israelitischen Bevölkerung Bulgariens