Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Monte St. Giuliano einen hebräischen Grabstein gesehen, der bei dem Bade des Apollo am Fuße des Berges gefunden wurde. Derselbe stammt aus dem Jahre 1328. Es hat also daselbst wie in Palermo eine jüdische Gemeinde bestanden, bis am 12. Januar 1493 die Ausweisung der Juden unter spanischer Herrschaft erfolgte. — Im Jahre 1891 verbreiteten die deutschen Bibelgesellschaften 313765 heilige Schriften: 203 962 Bibeln, 103993 Neue Testamente und 7010 Teile. Die preußische Hauptgesellschaft ist hierbei mit 97 640 Bibeln, 42 784 Neuen Testamenten und 359 Teilen beteiligt. — 1891 kamen in der preußischen Landeskirche nach der Veröffentlichung des Oberkirchenrats 289 Uebertritte von Jude» vor; außerdem wurden 14 Kinder jüdischer Eltern getauft. 6 Evangelische schlossen sich dem Judentume an. In Rußland wurde» 1870-87 zusammen 8587, also jedes Jahr durchschnittlich 500 Juden in die christliche Kirche ausgenommen. In den beiden letzten Jahren sollen in Moskau 18 000 Juden der russischen Kirche beibetreten sein. Die Neubekehrteu müssen 3 Jahre laug unter der Aufsicht voll Priestern in Tscherkosowo bei Moskau leben. — Eine kurze interessante Statistik bietet der russische „Kraj". Im Gouvernemeut Kowuo befinden sich 1612600 Seelen, darunter 313416 Juden. In diesem Gouvernement befinden sich fünf jüdische Hospitäler. Unter den vielen Aerzten, die meistens Juden sind, befinden sich auch vier jüdische Aerztinnen. Die Zahl der jüdischen Schüler, die die allgemeinen Schulen besuchen, steigt bis 2280. — Die Zeitschrift „Slovo" in Lublin meldet den Uebertritt des Rabbiners Israel Kristalinski von Belsitz zum Christentume, welcher großes Aufsehen erregt. — In Ehicago erscheint seit Anfang 1892 viermal jährlich eine Judenmiffiouszeitschrift unter dem Titel: „Mo Jewisli Era“. Einer der Herausgeber ist der Prediger Bernhard Angel, ein Judenchrist. Er sammelt an jedem Soiliiabend und Sonntag Juden um sich, um ihnen Jesum als ihren Messias zu verkündigen. Die Mission in Chicago wurde 1887 begründet und beschäftigt jetzt 5 Missionare. — Die Einweihung des „Heims für alte Juden in Ehirago" fand unter großem Andrang des Publicums und in Anwesenheit der Spitzen der Gemeinde statt. Herr Rabbiner Dr. Hirsch hielt die Einweihungs-Rede. — Die Teilnahme der Frauen am religiösen Leben im passiven und aktiven Sinne — schreibt die amerikanische „Deborah" — ist für uns eine sehr ernste Frage. Die Reformbewegung wurde hauptsächlich von dem Gedanken geleitet, daß nian de» Frauen Teilnahme am Gottesdienste erniöglichen müsse. Die Vorläufer der Reformbewcgung, wie der. grundgelehrte, aber stockorthodxe Wolf Heidenheim, dessen Lebensaufgabe es war, den Siddur und das Machsor in korrekter Form herauszngeben und zu übersetzen, waren von dem Gedanken geleitet, den Frauen annehmbare Gebete in die Hand zu geben. Wenn man dem „Raw" einen Prediger zur Seite setzte, so geschah es, weil man wußte, daß die Frauen zu ihrer Erbauung eines besonderen Materials bedurften. Die Frau will aber nicht nur eine Teilnahme am Gottesdienst, sie will auch einen Einfluß darauf üben. Wenn der Talmud sagt: „Um der frommen Frauen willen sind unsere Vorväter aus Aegypten befreit worden," so scheint es darauf hinzudeute», daß die Frauen an dem Werke der Selbstemanzipation thätigeu Anteil nahmen. Die Frage wird sich wie viele andere nicht theoretisch, sondern nur praktisch entscheiden. Und in dieser Richtung ist der Eintritt einer jungen Dame in das Hebrew Union College (Rabbiner-Seminar in Cincinatti) vielleicht von epochaler Bedeutung. Am letzten Purimfeste hat Frau Mannheimer im Altenheim gepredigt und den Segen erteilt, ohne daß die alten Leute, die davon höchst erbaut waren, irgend eine Verletzung ihres religiösen Gefühles empfunden haben. — Von der