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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-09-01 · Heft 9 (1.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 9 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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f aplär - wMensc^stlicl^ o tnttsiblätte r zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Begründet und herausgegeben von Rabbiner vr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn bezieheil durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 13. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. September 1893. Kummer 9. Ire Wachnacht. Von Rabbiner L. W o l l n e r. Es wird wohl Niemand in Abrede stellen können, der überhaupt die Zeitläufe und ihre veränderten Verhältnisse und Zustände miterlebt hat, daß die religiösen Vorschriften und Obliegenheiten im heutigen Judentume nicht mehr so gewissenhaft, so genau, mit solcher Observanz eingehalten und ausgeführt werden, wie in früheren Zeiten, die gar nicht längstvergangen sind. Ebenso läßt sich aber auch nicht leugnen, daß in unserem Zeitalter die Religion geläuterter ist, reiner von den Schlacken des Aberglaubens und der Mißbräuche aller Art, welche an ihr hafteten. Früher war der reine Glaube Israels von Aber- und Irrglauben sehr getrübt. Der fromme Jude, und fromm waren Alle, hielt alles Niedergeschriebene in Religionsangelegenheiten für heilig, als wäre es am Sinai geoffenbart worden. Alles was überfromme und überspannte Köpfe ausgedacht und veröffentlicht haben, ohne darüber nachzudenken. Ueberhaupt hat die Kabala viele Geister verwirrt. Wir erinnern nur an die sogenannte „Tekufa", wie ängstlich wurden da die Frauen ermahnt und aufgefordert, alle Flüßigkeiten mit Eisenstücken zu belegen, weil um diese Zeit ein Blutstropfen aus der Luft fällt, der mit den Flüßigkeiten in Berührung kommen könnte, und der Genuß des Blutes doch den Juden strenge verboten ist, wenn es auch nur ein Tropfen ist. Das Eisen sollte die Kraft besitzen dieses zu verhüten. Wir können uns gar nicht hineindenken, wie es denn möglich war, an solch' einen Unsinn zu glauben und sich darnach so strenge zu halten. Ebenso glaubte man mit Gewißheit, daß Tote, wenn man ihnen ihr sogenanntes Recht nicht gethan hat, des Nachts in ihre frühere Behausung zurückkehren, und es fanden sich auch abergläubische Leute genug, welche dieses bestätigten. So glaubte man auch an Zauberei und Hexen, was doch die heilige Schrift strenge verboten hat. Kommen ja sogar im Talmud derartige Stellen vor:

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