Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DopuM -TO»en»chaftltchq Ott i t t ss. b 1 it 11C zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von vr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslalldes. 13. Jahrgang. Frankfurt a. M>, den 1. Juni 1893. Kummer 6. „Wicht sterbe ich, nein, ich lebe und erzähle die Waten Gottes." Predigt, gehalten am zweiten Pesachtage 1893 von Nr. Vogelstein in Stettin. Der heute verlesene Prophetenabschnitt, der uns ein wichtiges Ereignis aus der Geschichte des Reiches Juda erzählt, die Durchführung der sogenannten Jvsianischen Cultusreform, die in einer großartigen Pesachfeier zum schönsten Ausdrucke kam, enthält den Satz: „Ein solches Pesach ist nicht begangen worden seit den Tagen der Richter, die Israel gerichtet haben, und während der ganzen Regierungszeit der Könige von Israel und Juda." Wenn ich diesen Satz zur Einleitung in die Festbetrachtung herausgreife, so begegne ich sicherlich nicht der Mißdeutung, als wollte ich die Stimmung, die uns diesmal bei der Wiederkehr des Frühlings- und Freiheitsfestes beherrscht, als eine besonders freudige und darum sich vorteilhaft unterscheidende bezeichnen. Ein Jeder fühlt vielmehr aus seiner eigenen gedrückten Empfindung es heraus, daß das Entgegengesetzte damit angedeutet, daß der betrübenden Thatsache dadurch Rechnung getragen werden soll, über die keine Selbsttäuschung, keine Vertrauensseligkeit hinweghilft, daß der Horizont Israels seit vielen Jahrzehnten nicht mit so finsteren Wolken umzogen war, wie gerade in diesem Jahre, und daß der mit banger Sorge in die Zukunft schweifende Blick selbst beim Erscheinen des hehren Feiertagsgeistes sich nicht erhellen will. Allein so berechtigt, so tief begründet die Wehmut und der Seelenschmerz auch sind, die sich ob der betrübenden Wahrnehmungen im öffentlichen Leben und im geselligen Verkehre unserer bemächtigt haben; so laut auch die Klage ertönt und ertönen darf über den sittlichen Rückschritt, den die Sache der Menschlichkeit und Gerechtigkeit in den letzten Jahren gemacht hat; so bedauerlich nament-