Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1893)
- Date
- 1893-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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115 auf den Plan und zeigen Begeisterung für das geläuterte Judentum und das ist eine Thatsache, die uns freudig stimmt. So hat jüngst Herr JtUj Auerbach in Frankfurt a. M sich über „der Antisemitismus und das freisinnige Judentum" ausgesprochen. (Druck und Verlag von Mahlau und Waldschmidt 1893.) Er behandelt in einem geistvollen Vortrage die Flucht nach aussen und die Flucht nach innen, oder die Fahnenflucht und die Absonderung, den Rückschritt als traurige Folgen der antisemitischen Bewegung. Wir führen in Bezug auf letzteren Punkt die beherzigenswerten Worte des Herrn Auerbach an, die Beachtung verdienen: Lasse» wir die Entwicklung des Judentums im Innern nicht hemmen durch den Ansturm von außen. Setzen wir die Arbeit fort, die unsere Vorfahren begonnen haben- Der Erfahrungssatz, daß Stillstand Rückschritt bedeutet, würde sich auch in diesem Falle bewahrheiten. — Als Inden wollen wir uns gern und freudig bekennen und für das Judentum eintreteu, wo immer es uot thut, aber zugleich wollen wir den Mut haben, uns als entschieden freisinnige, fortgeschrittene, fortschreitende Inden zu bekennen. Die Religionen sind nichts Unwandelbares; sie entwickeln sich und ändern die äußere Form mit den wechselnden Zeiten und Umgebungen. Haben wir den Mut zu sagen, daß das Wesen des Judentums nicht besteht in den überlieferten Bräuchen und Verordnungen, die in anderen Jahrhunderten und anderen Verhältnissen enstanden und diesen angepaßt, zum Teil als künstliche Gebilde iu unsere Zeit hineinragen! Haben wir den Mut, aus unserem Kultus alles auszuscheiden, was so ausgelegt werden könnte, als ob wir uns als ein besonderes Volk, nicht lediglich als eine Religionsgemeinschaft betrachteten und uns zurücksehnten nach dem Lande, in dem einst unsere Vorfahren wohnten! Haben wir den Mut die hebräische Sprache in unserem Gottesdienste auf das Maß zu beschränken, das pietätvoller Erinnerung und Pflege einzuräumen ist! Die Sprache unseres Gebetes sei vornehmlich die Sprache unseres Lebens, die deutsche Sprache! Alles überflüssig Trennende zu beseitige», dabei aber den inneren Kern unserer Religion zu erhalten, das ist die hohe Aufgabe des modernen, fortschreitenden Judentums. Möge man uns nicht entgegnen, daß unsere Religion dabei ihren Charakter verlieren würde. Sie wird im Gegenteile ihren wahren Charakter herauslösen ans dem überflüssigen, die Entwicklung hemmenden Beiwerke, das sich im Laufe der Jahrhunderte, im langen Kampfe uni die Existenz angesetzt hat. Nicht aufgehen soll das Judentum in anderen Religionen, aber sich so entwickeln, daß es allen Religionen ein Vorbild sei. Möge die Schrift Auerbachs viel gelesen und beherzigt werden und möge man sich endlich zu Thaten aufraffen! — In E;rrnowih wurde Herr Dr. Josef Kosrnfeld zum Rabbiner erwählt. — In Gemrsvar starb Herr Ignaz S. Eifenstädter äs Buzius, der Präsident der dortigen Handels- und Gewerbekammer. — In Drodq starb Herr Dr. Paul Goldhaber, der erst vor wenigen Monaten zum zweiten Male zum Bügermeister erwählt wurde. — Für den neuen ist. Tempel im IX. Wiener Stadtbezirke wurde der Prediger Herr Dr. Gelbhaus ans Prag zum Rabbiner gewählt. — Am 3. April wurden folgende Herren zu Curatoren der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien designiert: Reichsratsabgeordneter Dr. Emil Byk ans Lemberg, Prof. Grüiihut in Wien, Oberrabbiner Dr. Güdeman», David Ritter v. Guttmann, Dr. Jellinek, Moriz Karpeles, Cultusvorstand; kais. Rat Heinrich Klinger, Cultusvorstaud; Moritz Baron von Königswarter, Mitglied des Herrenhauses; Dr. Moriz Lichtenstern in Prag; Landesrabbiuer Dr. Placzek in Brünn, Dr. Arnold Rosenbacher, Präses der ist. Cultusgemeinde in Prag. — In Sudapest soll ein neuer Tempel erbaut werden. —- io*