Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-05-01 · Heft 5 (1.5.1893) · p. Seite 112

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
Seite 112 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969801--3855-2973411
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

112 wie alle Flechten, unter anderm Flechtenstärke und Eiweiß enthält, einen Ersatz für das zuweilen fehlende Getreide. Die M a n n a f l e ch t e gehört zu den Krustenflechten; sie ist anfangs dem Gesteine ausgewachsen, hebt sich später aber von der Unterlage ab. Die Rinde ist schuppenförmig, gefurcht, von grauer, grünlichgrauer oder erdiger Färbung, das Mark hingegen ist rein weiß. Da die Flechte sehr leicht und meistens lose ist, so wird sie schon von einem sanften Winde weggetrieben und in Vertiefungen oder an Hervorragungen angesaniinelt, ähnlich wie bei uns der von dein Winde getriebene Schnee. Auch von Regen wird die Flechte von den Höhen in die Tiefe geschwemmt und dort angehänft. Auf diese Weise ist es möglich, sie in großer Menge zu sammeln und nachdem sie gemahlen ist, ausgiebig zur Brotbereitung zu verwenden. Jin März 1864 fiel bei Karput im Bezirke Diarbekir in Kleinasien während eines heftigen Regens eine solche Menge dieser Mannaflechte. daß einzelne Leute damals 3—5 Okka (etwa 6 Kilo) sammelten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde neben dieser Mannaflechte auch die Tamarisken-Manna und Alhagi-Manna von den Israeliten gesammelt. Wir befinden uns mit dieser Annahme im Einklänge mit manchen Bibelerklärern, die die Manna zu verschiedenen Zeiten als verschieden an Geschmack angeben. Schließlich mag noch darauf hingewiesen werden, daß die Kinder Israels sehr große Viehherden mit sichführten. „Aach ein großer Troß zog mit ihnen, und Schafe und Rinder, eine sehr starke Herde", heißt es im 2. B M. Kap. 12, V. 38. Ferner sei ans Kap. 10, V. 12 und 13 desselben Buches aufmerksam gemacht, wo gesagt wird: „Gegen Abend sollt ihr Fleisch essen." „Und es geschah am Abend, da zogen, Wachteln herauf." Es ist also anznnehinen, daß die Israeliten nicht allein von Manna lebten, da ihnen auch Milch und Fleisch zur Verfügung standen. In Verbindung mit den genannten Mannaarten dürfte dies in dem heißen Klima, wo eine Beschränkung der Nahrungsaufnahme für das Wohlbefinden unerläßlich ist (s. 4. B. M., Kap. 11), zur Befriedigung des Nahrungsbednrfnisses hingereicht haben. Den Antisemiten. Wenn nun der Ruf ertönt: „Zum Kampf! Zum Krieg!" Werdet Ihr erst die Juden Lands verweisen? Laßt Ihr daheim bei Wittwen sie und Greisen? Sind sie bereit zum Sterben nicht und Sieg? Nach Spanien blickt! Mit Flamme» und mit Eisen Vertrieb ein Herrscherpaar*) ein Volk, das schwieg Und duldete, dann durch die Arbeit stieg — Heut' locken sie's, um selbst nicht zu verwaisen!**) Das Volk war damals anders nicht als heute Wie jedes Volk zählt's gute — böse Leute, So wie der Menschheit Söhne immer waren! Und ist es gut genug für unsre Schlachten, Sollt Ihr es auch im Frieden nicht verachten: Schlug sich's nicht brav vor 23 Jahren? VFHinaud und Js-brlla. Alfred Friedmann. **) Ein Brief lud jüngst die Juden ein nach Spanien zu kommen und sich dorr anzusiedeln!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.