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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-03-01 · Heft 3 (1.3.1893) · p. Seite 71

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 3 (1.3.1893)
Date
1893-03-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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71 rangen den lebhaftesten Beifall ihrer zahlreichen Zuhörer. — Gustav Freytag veröffentlicht in seinen „Gesammelten Werken (Leipzig 1887 Bd. XVI. S. 325) eine Kritik über Richard Wagner's Schrift: „Das Judentum in der Musik". Er erklärt diese Angriffe Wagners für ungerecht, insofern als Wagner selbst der Repräsentant der sogenannten „jüdischen" Musik sei. Freytag sagt: „Im Sinne seiner Broschüre erscheint Wagner selbst als der größte — Jude. Die Effecthascherei, das anspruchsvolle und kalt überlegte Streben nach Wirkungen, welche nicht durch sicheren Kunstgeschmack hervorgebracht werden, der Mangel an Fähigkeit, musikalischer Empfindung ihren melodischen und harmonischen Ausdruck rein und voll zu geben, die übergroße nervöse Unruhe, Freude am Seltsamen und Gesuchten, das Bestreben, durch witzigen Einfall und äußerliche Knnstmittel die gelegentliche Schwäche seiner musikalischen Erfindung zu decken, dazu selbst das große Talent für caffinirte Regie der Effecte, gleichend einem eigenwilligen Dilettanten, welcher begehrlich über die Grenzen seiner Kunst hinausfährt und den Gesetzen der Schönheit deshalb widerspricht, weil er ihnen zu folgen außer Stand ist; ein abenteuerlicher Sinn, der im Ungeheuerlichen Befriedigung sucht, unbekümmert darum, ob durch seine Arbeit Sänger, Orchester und der schöne Gesammtbau des musikalischen Dramas verwüstet werden; solche Schwäche und Unart finden wir überall in seinen Werken neben Teilstücken von wahrhaft schöner, zuweilen wahrhaft hinreißender Empfindung. Diese Beschaffenheit seiner merkwürdigen und für unsere Musik verhängnisvollen Begabung scheint uns gerade eine solche zu sein, welche in seinem Sinne als eine dem Judentum eigentümliche aufgesaßt werden müßte." — Herr W. Joachim teilte jüngst der „israelitischen Wochenschrift" mit: Nicht weit von Wielircha liegt der berühmte galizische Wallfahrtsort Kalwaria. Hunderttausende pilgern dahin. Auf der Höhe eines schwer zu erklimmenden Berges steht ein Kloster, von Sagen umsponnen. Die Wände des Klosters sind mit fanatisirenden Bildern ausgestattet. Eines derselben ist etwa 3 Meter hoch und 2 Meter breit und stellt, von Künstlerhand ausgeführt, eine Blutgeschichte aus dem Jahre 1675 dar. Es ist Sabbat-Abend, wir befinden uns in der Wohnstube eines russischen Inden in Macawa. Auf einer Bank derselben liegt ein Christenknabe entkleidet, umgeben von zehn fanatisch aussehenden und in Gebetmäntel gehüllten Juden- Einer, der der Diener zu sein scheint, hält Wache an der Thür. Zu jeder Seite des 4 5 Jahre alten Knaben (Simon Studzinsky) steht ein Jude mit einem großen Messer in der Hand, welche dem Knaben Seitenschnitte beibringen. Zu seinen Füßen kauern zwei Juden mit Becken in den Händen, um das Blnt aufzufangen Auf der Bank stehen die Worte: »Zum Zwecke des jüdischen Ritus!" Wie soll in Oesterreich der Antisemitismus nicht wachsen uud gedeihen, wenn solche lügenhafte Darstellungen haarsträubender Blutszenen die Gemüther von Hunderttausenden jährlich sanatisiren? — Man schreibt uns: In Gdeffa erregt der achtjährige Knabe Kuben Kaminski, durch sein vorzügliches Zitherspiel großes Aussehen. Sarah Bernhard die sich von ihm aus der Oper „Traviata" Vorspielen ließ, küßte den Künstler, dem sie eine große Zukunft voraussagt. — Man berichtet uns: Bis nun hat kein auf die geschichtliche Entwicklung der Juden bezughabendes Bild existirt, da hat sich der geniale Maler Gerolamo Uavarra, Professor an der Akademie zu Triest, die Aufgabe gestellt, ein den Uebergang des Judentums vom Mittelalter in die Neuzeit darstellendes Bild anzufertigen. Er malte die „Allegorie", ein Kunstwerk ersten Ranges, welches seinerzeit in Wien ausgestellt war und allgemeinen Beifall errungen hat. Ueber vielseitige Aufforderung hat sich das litterarisch-artistische Bureau in Wien, (9. Bez., Grünethorgasse 9,) bestimmen lassen, das Vervielfältigungsrecht vom obbenannten Meister

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