Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1893)
- Date
- 1893-03-01
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Seit längerer Zeit steht der hochgeachtete Gelehrte in freundschaftlichem Verkehr mit dem größten böhmischen Dichter Jaroslar Vrchlicky. Tr. Grünwald übersetzte auch einige Gedichte Vrchlickys in's Deutsche, die im „Echo des Judentums" und der „Oesterr. ung. Cantorenzeitung" 1892 erschienen. Zum Schlüsse sei uns gestattet dem gewissenhasten Seelsorger und unermüdlichen Schriftsteller zu seinem vierzigsten Geburtstage unseren Gruß und unsere Anerkennung zuzurufen. Me Ausbreitung des Judentums. vo» Dr. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz. (Fortsetzung.) Deutlicher noch ist das, was Philo der Philosoph, darthut: „Es ist ferner zu bemerken, daß Alle, die zu unserm Glauben übertreten, sofort auch nüchtern, enthaltsam, bescheiden, sanft, edel, gerecht, hochherzig.werden, während man wieder sieht, daß Jene, welche von unserm Glauben abfallen, unmäßig, unbesonnen, ungerecht, leichtsinnig.blindlings auf den Ruin des Körpers und der Seele hinarbeiten".* *) Hierzu kam der freudige Heldenmut seiner Kämpfer für Freiheit und selbständiges Volkstum in den Kriegsjahren gegen Roms Tyrannei, der in den von ihm unterjochten Ländern Sympathie und Bewunderung erregen mußte. „Stark muß das Lamm sein das unter siebzig Wölfen zu bestehen vermag", sprach Tinius Rufus zu R. Akiba. „Nicht das Volk ist so mächtig, sondern sein Gott, der es hütet und schützt", war die Antwort. Der Phropheten Ruf an Israel: „Ihr seid meine Zeugen, ob es einen Gott giebt außer mir!"2) scheint sich verwirklicht zu haben. So viel Judengemeinden über die Welt zerstreut waren, so viel Sammelpunkte gab es für die große Zahl derer, die unbefriedigt von den heidnischen Kulten, das Judentum aufgesucht hatten. Mit Recht bemerkt in Bezug darauf der Volk- und Gesetzeslehrer R. Jose (am Ende des >. Jahrh.): „Gott hat Israel ins Exil zu beit Völkern geschickt, damit es au Proselyten zunehme, denn es heißt: „Ich werde es aussäeu im Lande und mich des Nichterbarmten erbarmen (Hosea 2. 25,) säet doch der Landmann ein Maß Getreide ans, um einst mehrere Maß Getreide zu ernten!") Kräftigung erhielt dieser Drang nach dem jüdischen Glauben durch die entgegenkommende Weise der Volks- und Gesetzeslehrer bei der Aufnahme der zu demselben sich bekennenden. Von dem Gejetzeslehrer Hillel I. wird erzählt, daß er einem sich Bekehrende» Heiden in Betracht der Menge der jüdischen Gesetze, das Gebot der Nächstenliebe <3. M. 19. 18.) in der genauen, erklärenden Angabe: „Was dir unlieb ist füge keinem Andern zu" als das Hauptgesetz des Judentums bestimmte, mit der Hinzufügnng: „Alles andere folgt daraus, gehe und lerne!"4) Einem andern Proselyten, der nur das Schriftgesetz ohne die traditonellen Angaben für dasselbe anerkennen wollte, wies er nicht zurück, sondern suchte ihm begreiflich zu machen, daß selbst die Kenntnis der Buchstaben und das Lesen derselben auf Tradition beruhe.") Endlich suchte er einem Dritten, der ebenfalls Jude werden wollte, in der Absicht, das Hohepriesteramt einst zu erlangen, darzuthun welche Verantwortlichkeit mit dieser Würde verbunden sei, sodaß er selbst ') Philo, über die Philanthropie des Gesetzes nach Friedlaender, Wien 1880. S. 62. *) Jesaia 44. 8 3) i'esachim 870. 4) Sabbat 3.3la 5) Daselbst.