Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-03-01 · Heft 3 (1.3.1893) · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 3 (1.3.1893)
Date
1893-03-01
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969799--3798-2973352
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

57 „Küßt Euch doch!" rief er, „Kourage!" Und als Nathanle Deborah um den schlanken Leib nahm und kräftig auf die roten glühenden Lippen küßte, da klatschte der Alte in die Hände und rief: „So ist es recht, genau so habe ich's gemacht mit meiner Jeschka." Nicht lange darnach fand die Hochzeit Nathanles mit Deborah statt. Dann zogen sie nach Separowize zu seinen Eltern und nun begann für den alten Burschtin eine neue Jugend, ein neues Glück. Und jedesmal, wenn sie am Sabbatabeud oder sonst froh beisanimen saßen, sagte der Alte, indem er den Finger erhob. „Was habe ich dir gesagt, Nathanle? Habe ich dir nicht die Wahrheit gesagt? Wer ist reich? Wer eine schöne Fran hat, schön besonders an Charakter, denn Zufriedenheit ist der wahre Reichtum," sagt der Talmud. Gabriel Miesser-Awum. VI. Ein Jüngling, der mit muthigen Genossen Wohl Jahre durch getragen Freud und Leid, In ferne Lande zog er kampfentschlossen, Nicht träger Ruhe hat er sich geweiht. Er hat von seines Herzens Drang getrieben Die Feder in des Lebens Saft getaucht Und hat mit seinem Blute hingeschrieben: Auf Wiedersehn, wenn's von den Bergen raucht! Ein Liebender, der manche schönen Tage Mit seiner Freundin traulich weggekost, Zog weit hinweg, nicht achtend ihrer Klage, Zum Felde, wo das Schlachtgetümmel tost. Er sprach zu ihr, von Hoffnungslicht umzogen: Ein Zeichen steht für uns am Himmelsbogen, Der Liebesstern, der täglich neu erscheint; Und wenn die düstern Abendnebel thauen, Dann blick empor mit gläubigem Vertrauen, Weil er es ist, der uns im Blick vereint. Auch wir sind Scheidende mit stillen Schmerzen, Doch ist's kein' gramerfülltes Liebespaar. Auch hier sind Edle, Hoffnung tief im Herzen, Doch ist's nicht wildbewegte Jünglingsschaar. Wohl mancher möchte das Geschick verklagen, Das uns den besten in die Ferne treibt;' Doch sollen wir nicht trauern und nicht zagen, Weil uns ein unvertilgbar Zeichen beibt. Es ist der Stern, nach dem wir alle schauen, Den wir erspähn mit gläubigem Vertrauen, Der ewig neu empor am Himmel taucht; Und eine Hoffnung, welche nie vermodert, Das ist die Flamme, die allmächtig lodert Und ewiglich von allen Bergen raucht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.