Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
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42 Grabstein mit der Jahreszahl 5057 a. m., der also das Alter von fast 600 Jahren hat, anfgefnndcn. — Am 3. Dezember Abends kündigte Herr Liebermann v. Sonnenberg in Göttingen einen Voitrag an: „Verträgt sich die Talrnndworal mit dem Staatsbürgerrecht k" Hierzu hatte der „deutsche Verein" den dortigen Rabbiner Herrn Dr. K. Iarob eingeladen, nm „etwaige Unrichtigkeiten zu widerlegen". Herr Dr. Jacob hatte mit seiner Widerlegung großen Erfolg. — Herr Oberlehrer Ig ah Spitzer aus Kattonya schreibt uns: Der ungarische Cultusminister Graf Albin Esaby legte seine» Bericht — über den Stand des Volksschulunterrichtes in Ungarn - dein ungarischen Abgeordnetenhause vor- Die Leser der Monatsblätter dürften folgende, die ungarische Judenheit anlangenden Daten interessiren: Die Seelenzahl der ungarischen Inden beträgt laut dem letzten statistischen Ausweise vom Jahre 1890, 707. 984. Die jüd. Confessio» hat die meisten schulpflichtigen Kinder (5—12jährige) aufzuweise», und zwar 130. 445. d. i. 18. 28°/o Schulen gibt es im ganzen Lande 16870 von welchen 578 jüdisch - confessionell sind mit 12 mehr als im verflossenen Schuljahre. Die Zahl der gesaniniten Volsschullehrer beträgt 25133 unter welchen 1068 jüdische Lehrer sind, mit Ausnahme von 27 sämtlich diplomirt. Die Unterrichtssprache ist mit Ausnahme einer einzigen in sänimtlichen jüdische» Schulen die ungarische Ein Beweis für die patriotische Haltung der jüdischen Lehrer und ihrer Gemeinden für welche selbe wohl schon längst verdient hätten gleich den übrigen christlichen Confessionen gesetzlich rezipirt zu werden. Nun hoffen wir jetzt das allerbeste, da der Gesetz- Entwurf bezüglich Rezipirnng der ungarischen Judenheit dem ungarischen Abgeordnetenhause eingereicht wurde, worüber ich später berichten werde. Von den <1 schulpflichtigen jüdischen Kindern besuchten blos 81. 30°/o d. i. 105458 die Schule, die Ursache dieses schwachen Schulbesuches ist der, daß die Juden zerstreut in kleinen Dörfern wohnen, wo sie keine Gelegenheit haben die Kinder in eine öffentliche Schule zu schicken, und den privaten Hausunterricht erteilen lassen, von welchem die Statistik keine Notiz nimmt. Der jüdische Landeslehrerverei» zählt 540 ordentliche Mitglieder. — Im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums in Krag hielt kürzlich der Vereinsobmann Herr Rabbiner Dr. S. Gelbhaus einen literarisch-historischen Vortrag: „lieber das zweite Targuni zum Buche Esther". — Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich hat dem Fregatten-Capitän Herrn Friedrich Pick den Adelsstand mit dem Ehrenworte Edler und dem Prädikate von Seewart und dem Ministerialsekretär Gamil Haranda, den Titel und Charakter eines Sektionsrates verliehen. — Bei dein jüngst stattgehabten Eröffnungsconimerse der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag hielt der Rector der deutschen Universität Herr Professor Dr. Emil Sar eine Rede, in welcher er unter Anderem sagte: „Eine der edelsten Blttthen der wahren Bildung ist die Dnltsainkeit gegen Andersdenkende, gegen fremde Meinungen und Ueberzeugungen, und gerade der wissenschaftlich Gebildete wird geneigt sein diese Duldsamkeit zu üben, da er >veiß, wie sich die Wahrheit in der geistigen Entwicklung der Menschheit nur ganz allmählich vom Jrrtume losringt; wie so Vieles, was zu einer Zeit als unumstößlich galt, später als irrig erkannt wurde und wie wenig objektive Bürgschaft für die Richtigkeit der eigenen Meinung gegeben ist. Und was wir im Mikrokosmos der Geschichte wahrnehnien, das wiederholt sich im Mikrokosmos jedes Einzellebens. Es ist daher die Unduldsamkeit ein Zeichen der geistigen Unbildung und es ist vollends ei» Zeichen geistiger Rohheit, wenn dieselbe auch auf die Personen übertragen wird." — Herr Moritz Wahrmann in Hudapkli hat in seinem Testamente 150,000 Fl. für wohlthätige und kulturelle I!