Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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41 D. Geiger in Frankfurt a. W. ist der Charakter als Justizrat verliehen worden. — Herr Wilhelm Kewin in Derlm hat dem dortigen Magistrat 632000 Mk. letztwillig vermacht, aus deren Zinsen jährlich Noten von je 50 Mk. an Bedürftige ohne Unterschied der Confession ausbezahlt werden sollen. — Zn Fürth fand jüngst die Eröffnungsfeier des nengegriindeten Vereins „Gesellschaft der Freunde", statt. Er verfolgt den Zweck Geselligkeit zu Pflegen und zur Hebung der Litteratur, besonders der jüdischen, nach Kräften beizutragen. — Im „Hamburger Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt am 8. November Herr Karl Emil Franzos eine Vorlesung über das Thema „Fahrende Schüler im Ghetto". — In Fiirltrnwalde n. d. Ipree hielt Herr Prediger Wolfs, von christlichen Bürgern aufgefordert, einen Vortrag über den Talmud; nahezu 1000 Personen aus allen Gesellschaftsklassen und von allen politischen Parteien, — höhere Offiziere, der Magistrat, Lehrer rc. — hatten sich eingefunden und lauschten den« 1 'h stündigen Vortrag mit großem Interesse. — Anläßlich der Wahl des Herrn Hinrichsen zum ersten Präsidenten der Bürgerschaft in Hamburg wird daran erinnert, daß derselbe nicht der erste Jsraelite sei, welcher die hohe Würde bekleidet, da schon vor ihm Dr. Jsaac Wolssohn und noch früher der unvergeßliche Gabriel Rießer dazu berufen worden waren. Diese Wahl zeugt aber auch bei der heutigen Strömung von dem gesunden und toleranten Sinne der Hamburger intelligenten Bevölkerung und gilt gleichsam als ein Protest gegen das wüste Treiben der Ahlivardt, Stöcker, Liebermann und Konsorten. — Der Privat-Dozent Herr Dr. Adolf Kaginsky an der Universität in Kerlin ist zum außerordentlichen Professor befördert worden. — Am 13. Januar starb in Frankfurt a. W. Herr Dr. inocl. Kernhard Stern, ein durch seine Kenntnisse und Leistungen, wie durch sein menschenfreundliches, liebevolles Wesen, gleich ausgezeichneter Mann, dessen allzufrüher Heimgang in den weitesten Kreisen schmerzliches Bedauern erregte und dem seine vielen Freunde und Verehrer stets ein ehrendes Andenken bewahren werden. — Der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a W. ist auf seinen Antrag seitens des Polizei-Präsidiums ermächtigt worden, die gelegentlich der letzten Ansschußwahlen ins Auge gefaßte Ausdehnung des bisher auf Preußische Staatsangehörige beschränkt gewesenen aktive» und passiven Wahlrechts auf alle daselbst wohnenden, die Kultnssteuer entrichtenden Israeliten vorzunehmen. — Der deutsche Antisemitismus findet eine überaus scharfe Verurteilung in der auswärtigen Presse, besonders in der Presse Italiens. So schreibt der konservative „Corriere della Sera", für Italien klinge das Wort „Antisemitismus", wie ein Wort aus barbarischen Zeiten; Deutschland biete jetzt ein ähnliches Schauspiel wie Rußland und andere in der Kultur zurückgebliebene Völker. — Vor einigen Wochen wurde in Karlsruhe wieder eine antisemitische resp. deutsch-soziale Versammlung abgehalten, deren Hauptredner von Ulm importirt war. Bald darauf bei der Einweihung des Scheffeldenkmals sprach der Oberbürgermeister folgende Worte, die jedenfalls an die Adresse dieser Partei gerichtet waren An die Versammelten: „Er (Scheffel) war es, der seiner Zeit für das neu erstandene Reich inbrünstig den Segen herabflehte: „Gott schütze es vor Klassenhaß und Rassenhaß und Massenhaß und derlei Teufelswerken." Wir aber wollen nicht nur wünschen, sondern handelnd bewirken, daß dieser Segen insbesondere auch an der engen Heimath, der wir angehören, an unserer Stadtgemeinde in Erfüllung gehe, daß hier auch fürder nicht die zerstörende Macht des Hasses und Zwiespalts, vielmehr die schöpferische der Eintracht die Herrschaft führe." — In Wiirzburg wurde beim Umbau eines Hauses ein jüdischer 4