Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969795-2969798--3765-2973318- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fjojn’’ - lvMen»cIi»stIicI^ O tt i*t zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Dr. Adolf Brüll. Abonnemeutspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Anstandes. 13. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Februar 1893. Kummer 2. Kleine Meden. Von Dr. Ad. Jellinek. - (Nachdruck verboten.) III Der Patriarch Jakob sehnt sich nach Ruhe. Rede, gehalten am 10. Dezember 1892 (Sabbat Wajeschew). Im Leben der Patriarchen spiegelt sich, nach einem Ausspruche der jüdischen Weisen, die Geschichte ihrer Nachkommen; was jene erfahren haben, ist diesen widerfahren. Dies bewährt sich vorzugsweise beim dritten Patriarchen, bei Jakob, von welchem auch der heutige Thora-Abschnitt erzählt. Nach mannigfachen Kämpfen gegen Esau und Laban sehnte er sich nach Ruhe (Wajeschew) und sie ward ihm nicht zu Teil! Denn neuer Kummer umdüsterte seine Tage, bitterer Kummer, häuslicher Kummer, Kummer durch Josef und dessen Brüder. Und auch Israel, dieser Hiob unter den Völkern, muß mit hem biblischen Dulder ausrufen: Keine Ruhe, keine Rast, keine Erholung, immer neue Aufregung und erschütternde Bewegung. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts brauste ein gewaltiger Sturm im Reiche der Franken, der Throne erschütterte, Kronen zerschmetterte, uralte Pflanzungen entwurzelte, aber auch die Luft reinigte von den schädlichen Elementen des Mittelalters und den Ruf der Freiheit durch ganz Europa erschallen ließ. Die Juden jenes Reiches begannen aufzuathmen, wurden von drückenden Fesseln erlöst, zu freien Bürgern erklärt, der Menschenrechte oder des Rechtes Menschen zu sein, teilhaftig. Nun stehen wir am Ende unseres Jahrhunderts. Welche Wechselfälle haben sie während dieser Zeit getroffen, wie wandelbar waren ihre Geschicke, wie unsicher ihre Verhältnisse, wie ruhelos pochte ihr Gemüt? Sie nahmen mutigen und tapferen Anteil an den Befreiungskriegen, um Europa