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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-01-01 · Heft 1 (1.1.1893) · p. Seite 14

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 1 (1.1.1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Wonaisschau. In der „Schwäbischen Chronik" befindet sich ein Artikel über Reform - des Judentums in welchem es unter Anderem heißt: Die gewünschte Reform darf sich nicht blos ans die Form und auf äußerliche Dinge beschränken, vielmehr muß sie sich ans das Wesentliche und den inneren Gehalt des Glaubens erstrecken, wenn anders das Judentum eine Zukunft haben, eine Lehre fürs Leben sein und bleiben soll. Die vorgeschlagenen Mittel zur Sicherung der Zukunft des Judentunls sind. An Sonntag etwa um 11 Uhr Vormittags oder während des allgemeinen Kirchenbesuchs einen Gottesdienst in deutscher Sprache einzuführen. Mit dem Gebet für Kaiser und König, für Stadt und Gemeinde, einem Schlnßchoral und Segen, wäre dann die Andacht in einer Stunde beendet und dann wäre die Beteiligung sicherlich eine größere als am Samstag, an welchem der bisherige Modus mit einigen Kürzungen beibehalten weiden könnte. Die derzeitige Dauer des Gebets währt entschieden zn lang-Unstreitig ist mit jenen Gebetstellen aufznrüumen, welche die Rückkehr nach Palästina und die Wiederaufrichtnng des Opfercults zum Inhalt haben. Bei solch einschneidenden Kürzungen tverden nicht mehr Biele vor Schuß des Gottesdienstes das Bethaus zn verlassen sich bemüßigt sehen. Dann — heißt es am Schlüsse, wird man auch von unserer Synagoge mit Recht sagen können, daß sich an ihr und in ihr das Prophetenwort erfüllt: „Mein Haus soll ein Bethans genannt werden für alle Völker." — Herr Dr. Mar Grünbanm, der Verfasser der „Jüdisch deutschen Chrestomathie", in München.ist im Begriffe, eine jüdisch-spanische in ähnlicher Weise herauszugeben. — Die allgemeine Lehrerkonferenz in Nürnberg beschloß mit Stimmenmehrheit die Regierung zu bitten, daß an den ersten Klassen der Simultanschulen der Religionsunterricht für Protestanten, Katholiken und Israeliten gemeinsam stattfinde. — Vom deutsch-israelitischen Gemeindebuude ist das 35. Heft der „Mitteilungen" erschienen. Dieselben enthalten den ausführlichen Bericht über die Verhandlungen des sechsten Gemeindetages in Berlin. — In einem Vortrag, den Herrn Dr. Johannes Müller zur Bekämpfung des Antisemitismus im Saale des Kaufmännischen Vereins tu Frankfurt n. M hielt, sprach er über „jüdische und christliche Moral". Cr wandte sich zunächst gegen die Angriffe der Antisemiten auf die jüdische Moral und bewies in schlagender Weise die Haltlosigkeit des Vorwurfs eines zn egoistischen Charakters, den man der jüdischen Moral macht. Vor Allem zeigte er, daß das Gebot unumschränkter Nächstenliebe jüdischen Ursprungs und der nationale Egoismus in der israelische» Gesetzgebung überwunden sei. Durch das ganze alte Testament gehe eine Entwicklung nach Vertiefung der Moral. Diese Vorträge sind indes im Drucke erschienen und werden, wenn man auch nicht mit Allein einverstanden sein kann, immerhin denkenden jüdischen und christlichen Lesern manche Anregung biete». — Am 30. October starb in Eharlottenbnrg Herr Dr. Le'pold Aiwenher;. Seiner Beerdigung, die am 2. November auf dem Friedhof in Weißensee erfolgte, wohnte als Vertreter des Reichsamts des Innern der Staatssekretär von Boetticher mit dem Ministerialdirektor Nieberding bei. Viele Deputationen erschienen, darunter auch aus Frankfurt a. M. Herr Dr. Epstein, um für den dortigen Physikalischen Verein, die Elektrotechnische Gesellschaft und den Frankfurter Techniker-Verein einen gemeinsamen Kranz mit Schleife in den Frankfurter Farben niederzulegen. Zahlreiche andere Vereine von Berlin und außerhalb sandten gleichfalls Blumenspenden. Nach der

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