Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Sauk AsaK Kämpf geb. 6. Mai 1815 in Lissa (Reg. Bez. Posen), gest. in Prag den 16. October 1892. Ein Gedenkblatt von Dr. M. G r ü n w a l d in I u n g b u n z l a u. Die akademische Thätigkeit Kämpf's war nicht seine einzige Lehrthätigkeit, denn lange Jahre erteilte Kämpf den Religionsunterricht an der Prager Handelsakademie nnd hielt Borlesungen an der Talmud-Thora Schule, an welch' letzterer Männer wie Prof. Dr. Wessely, Dr. A. Stein u. a. gleichzeitig wirkten. Auch auf liturgischen Gebiete war Kämpf thätig und hier zeigte er sich trotz der scheinbaren Reformen als streng eonservartiv, wie er sich mir als solchen persönlich zu wiederholten malen erklärte. Er war, wie die „Bohemia" in den Nummern vom 17. October 1892 niit Recht hervorhebt, der Schöpfer der gegenwärtig üblichen deutschen Liturgie des Prager Tempels neben der herkömmlichen hebräischen. Schon im Jahre 1851 veröffentlichte er „die Festgebete des Israeliten nach dem geregelten Gottesdienste des Prager Tempels" und erlebten diese Festgebele zahlreiche Auflage». Ebenso veröffentlichte Kämpf „das isr. Gebetbuch für alle Wochen- Feier- und Festtage des Jahres mit einer neuen deutschen Uebersetzung", das gleichfalls in zahlreichen Auflagen erschien. Ueberdies >var er in den jüngeren Jahren Mitarbeiter der hervorragendsten jüdischen Blätter, so des in hebr. Sprache bis vor Jahresfrist erschienenen Hammagid, Litteraturblatt des Orients, Frankel's Monatsschrift, Philippson's Allgemeine Zeitung des Judentums, Dr- Ehrmann's Abendblatt u. a. Daß er die Wichtigkeit des Gottesdienstes für Frauen erkannte, dafür zeugt sein Buch: „Beth Jacob. Gebetbuch für Israels Frauen und Mädchen für öffentliche und häusliche Andacht (Prag 1875)." Aber seine schriftstellerische Thätigkeit war damit lange nicht erschöpft. Im Jahre 1869 veröffentlichte er ein dramatisches Gedicht unter dem Titel Suleiman, das an treffenden Kerusprücheu reich ist. Auch für den illustrirten Kalender von Jakob W. Pascheles (Prag) lieferte er geistreiche poetische Beiträge, in welchen er ganz besonders das Gold der Haggadah ausprägte. Prof. Dr. Kämpf war endlich auch beeideter Translator in hebraicis, ordentliches Mitglied der deutsch-nivrgeuländischen Gesellschaft zu einer Zeit, wo man Leistungen aufweisen mußte, um als Mitglied dieser gelehrten Gesellschaft zugelassen zu werden. So liegt ein reich gescguetcs und auch au Ehre» reiches Leben vor unseren Angen und wir haben de» talwndischen Wunsch m unserem Herzen und auf unseren Lippen: „Möge das Jndentnm viele seines Gleichen aufzuweisen haben." Die ihm bei seinem Leichenbegängnisse erwiesenen Ehren zeigten von der hohen Verehrung, der er während seines Lebens sich erfreute und auch von ihm gilt das rühmende Wort der heiligen Schrift: Eine noch größere Ehre erwiesen sie ihm nach seinem Tode als bei seinem Leben, und so wird auch sein Andenken eiil gesegnetes sein; denn „Wer den Besten seiner Zeit genug gethan, Der hat gelebt fiir alle Zeiten."