Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 240 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Mortara in Bologna seinen Eltern entrissen wurde, da die katholiche Kirche ihn für sich rcclamirte, weil das Dienstmädchen ihn im Geheimen taufen ließ, ist in Italien angelangt. Tief ergreifend war die Begegnung des Mönches mit seiner greisen dem Glauben treu gebliebenen Mutter. Er predigte in Modena in der Kirche San Carlo in Anwesenheit vieler Israeliten. Der Mönch trägt unverkennbare Züge des jüdischen Stammes. Er lebt nur von Milch und Obst. — Professor Dr. K. I. Stokois ist zum Rector der Universität in Amsterdam gewählt worden; das Dekanat bekleiden mehrere Israeliten. — Der Verfasser des verbreiteten Werkes „Rembrandt als Erzieher" urtheilt über die Inden in folgender Weise: „Eigentümlich genug zeigt sich endlich die Vornehmheit Rembrandts in — seiner Vorliebe für die Juden; hier begegnen sich seine lokale und seine vornehme Gesinnung, sein Blick in die Nähe und sein Blick in die Höhe. Er hatte diese Menschengattung täglich vor Augen, denn er wohnte in der Judenbreitstraße zu Amsterdam; die Keime solcher künstlerischer und geistiger Besonderheiten liegen oft näher zur Hand als man meint. „Nah' ist und schwer zu fassen der Gott," sagt Hölderlin. Ein echter und altgläubiger Jude hat unverkennbar etwas Vornehmes au sich; er gehört jener uralten sittlichen und geistigen Aristokratie an, von der so viele moderne Juden abgewichen sind; in dieser Hinsicht fühlte Lord Beacousfield halbwegs richtig, als er sie für den ältesten Adel der Welt erklärte. Pracht und Elend, Licht und Schatten liegen in den Juden dicht beieinander, und sie stellen so echte Rembrandt'sche Mischung dar; was dennoch niedrig an ihnen bleibt, weiß er durch den Hauch seines Geistes zu adeln." — Am 20 Juli fand in Illisawetgrad ein Judencrawall statt. Drei Juden fanden dabei den Tod, viele wurden verwundet. Die Regierung ließ den Pöbel ruhig revoltieren. — In fnmlmp war Mitte Juli eine blutige Ausschreitung gegen die Inden ausgebrocheu, mehrere Israeliten wurden getötet. — Die in London erscheinende Zeitschrift „Darlrest Kussia" schreibt: Als vor einiger Zeit der Czar und die Czarin eine Parade über die Moskauer Garnison abnahmen, ward der ausdrückliche Befehl gegeben, daß die jüdischen Soldaten nicht an der Parade teilnehmeu, vielmehr in den Kasernen bleiben sollen. Dieser Befehl ward angeblich auf besonderen Wunsch der Czarin erteilt. — In Bukarest erscheint ein neues jüdisches Wochenblatt betitelt „das Volksblatt" mit Illustrationen au der Spitze. — Der Sultan hat Fräulein Hirsch, Tochter des Gesandten der Vereinigten Staaten am türkischen Hofe, den Schefakatorden 2. Klasse verliehen. — Laut einer Meldung aus St. Petersburg untersagte die Censnr den Druck des Werkes des Historikers Bloch über die Judenfrage. Das Werk stellte einen Vergleich der moralischen Eigenschaften der Juden und den Russen an, und zwar fällt das Urteil zu Gunsten der ersteren ans. — In Ehirago feierte Frau Sarah Rothschild, rüstig an Körper und Geist, den 103 jährigen Geburtstag. Inhalt: Für das Neujahrsfest. Von Rabbiner Dr. N. Brüll s. A. — Für das Schlußfest. Von Rabbiner Dr. N. Brüll s. A. — Wozu die Juden nicht gut sind. Von Dr. Rothschild. — Die Central-Conferenz amerikanischer Rabbiner. — Bibelübersetzen aus der Ursprache oder Bibellesen in der Muttersprache. Von Felix Coblenz. — Monatsschau. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.