Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Da die Protokolle im Jahrbuche vollständig erscheinen werden, müssen wir hier von Details gänzlich absehen. Der Verlauf der Sitzungen war sehr anregend. Die Debatten hatten den Charakter eines freundlichen Ideenaustausches, obwohl Alles streng parlamentarisch geleitet wurde. Es konnte nicht mehr in dieser Conserenz zur Verhandlung gelangen, weil die Zeit ihr sehr kurz zugemessen war. Es ist aber Arbeit genug vorbereitet für die nächste, in New Jork stattfindende Conserenz. Das Wichtigste aber, das in irgend einer Conserenz vorkommt, nämlich: der Gedankenaustausch verwandter Geister, die gegenseitige Anregung zu frischen Ideen und Anschauungen, die Verbrüderung der Lehrer und Leiter im Judentum, die sich gegenseitig kennen und schätzen lernen, das geschieht in der Central - Conserenz sehr reichlich, besonders da in ihr die Rabbiner aus den entferntesten Landestheilen einander begegnen, und zu einem harnionischen Ganzen sich verbinden. Die Früchte dieses Werkes werden in ganz kurzer Zeit in einem Geiste des Friedens, der Eintracht, der Einigkeit, in einem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit und des Zusammenwirkens sich offenbaren zum Heile des gesammten amerikanischen Judentums. Sch. Uiöettwersetzen aus der Ursprache oder Uibett'esen in der Muttersprache. Von Felix Coblenz. Daß die Kenntnis der Bibel, insbesondere der fünf Bücher Mosis für jeden Israeliten zur richtigen Beurteilung seiner Religion und ihrer Grundsätze geradezu unerläßlich ist, tvird von all' Denen nicht bestritten werden können, welche die ethischen und sozialpolitischen Gesetze der heiligen Schrift selbst kennen und objektiv genug sind, den hohen, edlen Geist, der alle diese Gesetze durchweht, rückhaltlos anzuerkennen. Es kann daher für den Fachmann nicht zweifelhaft sein, daß der Bibelkunde ein hervorragender Platz in dem jüdischen Religionsunterrichte zukommt. Freilich ist nach meiner Auffassung dabei nicht auf die Kenntnis der Wundergeschichten und sagenhaften Begebenheiten, sondern vielmehr auf den ethischen und gesetzlichen Teil der Hanptwert zu legen. In welcher Weise soll nun den Kindern die Kenntnis der Bibel, bez. der fünf Bücher Mosis vermittelt werden? Zwei Parteien stehen sich in der Beantwortung dieser Frage schroff gegenüber; die eine verlangt, ohne auf die bestehenden Verhältnisse die nötige Rücksicht zu nehmen, mit bestimmter Entschiedenheit Uebersetzen der Bibel ans der Ursprache, während die zweite sich damit begnügt, planmäßiges Bibellesen in der Muttersprache zu fordern. Wenngleich ich wohl weiß, daß die Anhänger der letzteren Partei sich noch bei weitem in der Minorität befinden, so lebe ich doch der Ueberzeugung, daß ihr die Zukunft gehört, umsomehr, als das Uebersetzen der Bibel infolge der äußerst beschränkten Zeit heute schon im Religionsunterrichte geradezu unmöglich ist. Und welchen Vorteil bietet denn überhaupt das Bibelübersetzen unter den obwaltenden Verhältnissen? Mit besonderer Vorliebe wird von den Anhängern desselben hervorgehoben, daß durch das Lesen des Schriftwortes in der Ursprache der Geist der Gotteslehre dem Israeliten weit besser zum Verständnis und zum Bewußtsein gebracht werden könne, als durch eine noch so gute Uebersetzung in der Muttersprache. Ich gebe gerne zu,