Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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227 bis heute harte Kämpfe gegen Christentum, und Christen zu bestehen gehabt, welche vielfach Tod und Elend über dasselbe gebracht und seinen Bestand fort und fort bedroht haben. So ist es erklärlich, daß in gedrückter Stimmung der Ausspruch laut wurde: Die Verbreitung des Judentums hat den Juden Mord und Todtschlag gebracht, wer sich daran beteiligt, macht sich somit selbst des Todtschlags schuldig. Dennoch ist dieser Ausspruch nur als momentaner Stimmungsausdruck aufznfassen und liegt umsoweniger in den Prinzipien des Judentums, als dieses weder in seiner Lehre, noch in seiner Praxis rachsüchtig ist, vielmehr seinen bittersten Feinden gegenüber sich stets versöhnlich gezeigt hat. Personen und Nationen, welche durch das Christentum wahrhaft gebildet sind, erkennen darum das Judentum an und sind sich dessen bewußt, was die Welt den Juden zu verdanken hat; sie selbst verdammen die antisemitische Feindseligkeit unserer Tage gegen Juden und Judentum als einen Ausfluß uuchristlich er Gesinnung; selbst christliche Geistliche erheben sich gegen das barbarische Vorgehen der Nüssen gegen die Juden und stellen sich an die Spitze judenfreundlicher Abwehr und Unterstützung. Von Interesse ist es daher zu erfahren, daß sogar die oberste Geistlichkeit der Russen sich der Hochachtung bewußt ist, welche Juden und Judentum verdienen; sie rühmt an ihnen das geistige und sittliche Uebergewicht, welches trotz, allen Drucks, den man so lange Jahrhunderte hindurch gegen sie geübt, trotz aller Erniedrigung, in der man sie alle Zeit bis heute gehalten hat, dennoch diesen stets eigen geblieben ist. Der fortgesetzte, ja gesteigerte Druck, welchen neuerdings der russische Kaiser gegen die Juden anweudet, soll nur dadurch gerechtfertigt werden, daß man nach der hierdurch erzwungenen Taufe das jüdische, frisch gebliebene Element benutzen will, um es dem leiblich, geistig und sittlich faul gewordenen Slavismus einzupflanzen und so das von Tod und Untergang bedrohte Russenvolk wieder zu heben und neu zu beleben. Man wiederholt sich »och inuner die Frage, wie war und ist es möglich, daß die Juden in ihrer Machtlosigkeit und Winzigkeit so vielen mächtigen Völkern gegenüber, welche gegen sie anstürmten und für sie Untergang und Vernichtung planten, doch erhalten worden sind, während ihre Feinde und Bedränger unter- und verloren gegangen siild? Eben darin liegt der Frage Antwort und des Rüthsels Lösung, daß die Rasse und Masse der Juden trotz aller Erniedrigung, Ab-, Ausschließung und Verfolgung sich durch ihre Religion auf der geistigen und sittlichen Höhe erhalten hat, trotz der Demoralisation ihrer Umgebung nicht wie diese entartet, sondern über diese erhaben geblieben ist. Jetzt will sich das geistig und moralisch gesunkene Russenvolk an den äußerlich niedergehalteuen, aber innerlich höher stehenden Inden emporzuheben suchen. Die Juden waren im Altertuni die Culturbringer ihrer Zeit, sie scheinen es in der Neuzeit wieder werden zu sollen. Durch ihre politische und soziale Stellung, durch die Duldung und die Liebe, welche die Juden unter den Völkern erfahren haben, sind sie stets Gradmesser der Bildung gewesen, welche diesen Völkern eigen geworden war. Dr. Rothschild. Die Gentral-Gonserenz amerikanischer Aabbiner. Die Central-Conferenz amerikanischer Rabbiner tagte in Baltimore am 5. und 6. Juli, in der Halle der „Ioung Men's Hebrew Association." Es wurden vier Sitzungen abgehalte», und von den hundert Mitgliedern der Con-- ferenz hatten sich etwa vierzig in Baltimore eingefunden.