Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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$ opläii - MMNi!>cI>iiMI>§ *? * t it t 55 U I H11C zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herarlsgegeben von vr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehe» durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In» »nd Auslandes. 11. Jahrgang. Frankfurt a. M>, den 1. October 1891. Kummer 10. Jür das Neujahrsfest. Von Rabbiner Dr. N. Brüll s. A. „Der Herr ist mein Licht und niein Heil, wen sollte ich fürchten, der Herr ist die Stütze meines Lebens, vor wem sollte ich zagen?" Wenn das Neujahrsfest uns in Wahrheit auch ein Tag der Erinnerung und des Nachdenkens ist, an welchem wir mit gedankenvollem Geiste und mit empfindungsvollein Herzen unser Daseiir betrachten, auf die entschwundenen und ach! so oft auch verlorenen Tage unserer Vergangenheit zurttckschauen ttnb vor der Zukunft, die »vie sie auch immer näher an uns heranschreitet, doch eben so sicher einst über uns hinwegschreitet, unseren Blick nicht verbergen, wie sollte da nicht ein schmerzliches Zagen und Bangen unsere Seele ergreifen und der leuchtende Himmel unserer Hoffnung mit einem finsteren Gewölk der Sorge sich umziehen? Die Zeit, die wir auf Erden gelebt haben, ist unlviederbringlich dahin, und tvenn sie auch noch so lange gewährt hätte, war sind Jahre und Jahrzehnte, wenn sie in das Meer der Vergangenheit hinabgesunken sind, wie schrumpfen sie, die in der Erwartung uns schier endlos dünken, in der Erinnerung so zusammen, als ob sie mit der Flüchtigkeit eines Augenblicks an uns vorübergeeilt wären! Hut) was wir von ihnen ererbt und behalten haben, wie gerne wurden wir es ihnen oft in das Grab zurückstellen, wie gerne würden wir es mit dem Besitze der Hoffnung vertauschen, den sie uns geraubt und in bittere Enttäuschung verwandelt haben! Und die Glücklichen, die mehr erreicht, als sie erwartet haben und deren Hoffnungen von ihren Erfolgen noch weit übertroffen worden sind, fühlen sie sich glücklich, sind sie mit ihrem Lose zufrieden? Bereiten sie sich nicht mit eigener Hand oft den schwersten Kummer durch die ungemessene Gier nach Genuß, nach