Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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schenwort, denn Tod ist weder hier noch dort. Er ist ein Uebergang, darin stimmt die Religion mit der Wissenschaft überein, ein Eingehen in ein anderes Sein, ein Vewandeln des menschlichen Wesens. Im Reiche der webenden und spinnenden Tierwelt giebt es, wie bekannt, Wesen, die, sobald sie ihre völlige Größe erlangt haben, in einen anderen Zustand übergehen, sich in andere Wesen verwandeln, so hat auch Chronegk, nachdem er von hoher Gunst getragen und durch eigene ernste Lebensarbeit eine ansehnliche Höhe erreicht, sein Wesen gewandelt; er hat das ihm vorgezeichnete herrliche Kunstgewebe mit großem Verständnis ausgesponnen und verschied, verschied aber, um fortzulebeu, denn indem er, nach des großen Dichters Wort, den besten seiner Zeit genug gethau, wird er fortleben für alle Zeiten. Ihm flicht wohl die Nachwelt Kränze, hier stirbt nicht der Zauber mit dem Künstler ab, da die Schöpfung, an der er so ruhmreich mitgearbeitet, keine Schöpfung des Augenblicks gewesen. Und Du wirst vermißt werden an Deinem Platze im Verwandten- und Freundeskreise, wo Du als liebevoller, treuer Bruder, Verwandter und Freund verehrt wurdest. So streng auch im Berufsleben, nicht aus Härte, Leidenschaft - oder Egoismus, sondern aus Rechtlichkeits- und Pflichtgefühl, weil sein Blick stets auf das schöne Ziel, auf das Ganze dem der Einzelne sich unterzuordnen hat, gerichtet getvesen, so streng und ernst einerseits, so milde, gemütlich, launig und herzig soll er im innigen Gesellschafts- und Familienkreise verkehrt haben; voll rührender Eltern- und Geschwisterliebe, insbesondere voll Pietät und Liebe gegen die treue Mutter, die Einzige, die ihres Lieblings Neignng zum Schauspiel verstanden und nicht widerstanden hat, als er aus seiner Stellung in einen wohlbekannten Berliner Kaufhause austrat, um seinem uubezwinglichen Drange zur Kunst zu folgen, der Kunst, die ihm in Fülle Auszeichnung und Ehrung, Glanz und Kranz verliehen, weil er sich ihr als Kunst ernstlich gewidmet hat. Und zu dem irdischen Glanze, der seinen Namen bestrahlt, zu den Würden und Orden, Ehren und Lorbeeren, die ihm von Fürsten, Großen und Kunstinstituten geworden, wird sich, das hoffen und erflehen wir, der höchste Glanz gesellen, der Himmelsglanz, die Gottesgnade, die den diensteifrigen, pflichtgetreuen, hingebungsvollen und arbeitfreudigen Menschen, wie Ludwig Ehronegk einer war, hell umstrahlet und krönet. — Dazu wollen wir den Blick nach oben richten und beten. Die Wuserwättyeit Israels und der Wationakgott der Juden. Vortrag, gehalten im 'jüd. Literaturvereiu zu Cassel, von S. Blumenau. Die beiden genannten Fragen stehen ja in innerem Zusammenhänge und können nicht von einander getrennt werden. Beide haben hüben und drüben zu Mißverständnissen und thörichten Anschauungen geführt, zu unberechtigten Anfeindungen auf der einen, zn lächerlichen Ueberhebungen auf der anderen. Um das Resultat unserer Untersuchung gleich vorweg zu nehmen, müssen wir sagen, daß der Nationalgott Israels als eine lächerliche Fabel, die Auserw ältheit aber, freilich in einen gewissen einschränkenden Sinne als eine unumstößliche geschichtliche Wahrheit erscheint.