Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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uub unbegrenzte Despotie hier wie in anderen Cultnrstaaten des Alterthums Alles schändeten, was die göttliche Natur und menschlicher Fleiß schufen, so stehen dennoch der Gegenwart die manigfaltigsten Hilfsmittel der Wissenschaft und Praxis zur Verfügung, welche es möglich erscheinen lassen, bei genügender Ausdauer in verhältnismäßig kurzer Zeit aus Palästina wieder das zu machen, was es einst war, nämlich ei» Land in welchem Milch und Honig fließt. Drei Bedingungen sind es, die gestellt werden müssen, wenn die Colonisation gelingen soll. Friede, eine wohlwollende Regierung und fleißige Hände. Das Uebrige wird bei verständnisvollem Vorgehen die subtropische Natur thuu. Allerdings sieht es bezüglich der beiden ersten Bedingungen, betreffend den Frieden und die wohlwollende Regierung nicht sehr einladend ans. Jerusalem selbst ist der Tummelplatz von allen möglichen Neligionssekten, die sich aus lauter Glaubenseifer zur größeren Ehre Gottes fortgesetzt bekämpfen und nicht ermüden werden, auch der beabsichtigen Colonisation möglichst viele Schwierigkeiten zu bereiten. Außer diesen Glanbenseiferern sind es ferner die räuberischen Beduincnhorden, mit welchen ebenfalls gerechnet werden muß. Die neueren Zeitungsberichte hierüber lauten nicht sehr günstig, müssen sich übrigens nur auf bestimmte Stämme beziehen, denn Professor Dr. Oskar Fr aas ein gewiß glaubwürdiger Zeuge und genauer Kenner von Palästina schildert in seinem hochinteressanten Werke, „Aus dem Orient." Geologische Beobachtungen a in R i l, auf der S i n a i - H a l b i » s e l und in S y r i en. (Stuttgart, Verlag von Ebner u. Seubert 1867) den Beduinenstaniin, mit welchem er näher bekannt wurde, wie folgt: „D?r Menschenschlag, der gegenwärtig die Thäler des sinaitischen Gebirges „inne hat, besteht ans wandernden Bedninenstäinmen, die mit ihren Herden „die spärlichen Flecken abweiden, wo eine Quelle Leben bereitet. Der Charakter „dieser Beduinen ist ein durchaus nobler: Das gierige Haschen nach Geld, das „den ägyptischen Beduinen so verächtlich macht, ist den Sinaibedninen nicht „so zur anderen Natur geworden, wie jenen. Treu und znverläßig, sobald er „den Dienstvertrag eingegangen hat, beherzt, muthig und voll Aufopferung „im Augenblick der Gefahr, ist er ein wirklich angenehmer Reisegefährte, „im Zelte nicht lästig und aufdringlich und doch voll Aufmerksamkeit für den „Reisenden. Es freut ihn, wenn Fremde seine Berge besuchen und namentlich, „wenn er sieht, daß sie auf Dinge achten, die sich im Horizont seines Wissens „bewegen, als da sind: S t e i n e, Kräuter und T h i e r e. Dieser Um- „stand, es am Sinai mit einer natürlich guten, freundlich gesinnten Bevölkerung „zu thnn zu haben, erhöht hier wesentlich die Genüsse des Reifens. Weder „in Ägypten, noch in Syrien fand ich je »nieder diesen prächtigen, zutraulichen „Schlag von Menschen, der neben den erhebensten Eindrücken der Bergcolosse „den zehntägigen Aufenthalt in den Wadis der Sinaikette entschieden zu den „schönsten Tagen der ganzen fünfmonatlichen Reise im Orient machte." Ob das Wohlwollen und der Schutz der Landesregierung nicht sehr thener erkauft werden müssen, ohne gerade vieles zu nützen, ist ebenfalls eine heikle Frage, welche genau erwogen werden darf. Besonders Vertrauen erweckend ist die Vorgeschichte dieser Landesregierung gerade nicht. Zn dem Fleiße der Colonisten hegt der Verfasser die beste Hoffnung. Sie haben in ihrem Unglücke den Ernst des Lebens kennen gelernt, und werden unter einer geeigneten Führung die Schütze des „gelobten L an d e s" zu heben