Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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geführten erwählt, und de», größten Widerstande Seitens der Eltern trotzend, die Hand des von diesen bestimmteil stutzerhaften Banquicrs Leviesohn, ausschlägt. Die Eltern müssen, um die ans das Krankenbett geworfene Tochter zu retten, ihre Einwilligung zu der Ehe mit dem Hauslehrer geben. Die eingeflochtenen Episoden gewähren der Erzählung einen unaufhörlich, das Interesse spannenden, belebten Hintergrund. Der humane katholische Pfarrer, der schurkische, scheinheilige Prokurist Schlüssel, der Baron von Heimburg und dessen Tochter und vor allem der Sekretär des letzteren, Dunkelmann, in welchem der Hauslehrer seinen Vater wiederfindet, sind den Leben entnommene, kräftig und meisterhaft gezeichnete Gestalten. Wir führen hier nur die den fortschrittlichen, religiösen Standpunkt vieler unserer Glaubensgenossen bezeichnenden Worte Dunkelmanns an : „Ich, der durch harte, oft unverdiente Schicksalsschläge von jeher heinigesuchte Mann bin im Laufe der Jahre durch wiederholtes Nachsinnen zu der /Ueberzeugung gelangt, daß nur ein felsenfestes Gottvertranen und das zwar einzig und allein im Stande ist, uns tut Sturm der sich täglich gewaltsam anfdrüngenden Widerwärtigkeiten aufrecht zu erhalten. Aber den unnöthigen Ballast der ganz besonders unserer Religion anklebenden Zeremonien habe ich schon längst als wertlos, ja als schädlich und den Fortschritt tut» Bessern hemmend, ^sber Bord geworfen, daher ich denn auch ohne irgend Anstand zu nehmen, a» sabbath Arbeiten verrichte, und die uns unerlaubten Speisen ohne den geringsten Skrupel, sogar mit Vorliebe, seit einer Reihe von Jahren genieße. An den hohen Feiertagen bin ich jedoch stets als einer der Ersten und Letzten in der Synagoge gewesen!" f st st Die „Nemesis" behandelt das tragische Verhängnis, des schließlich durch Selbstmord endenden lutherischen Pfarrers Horst, der durch die nnausgleichbaren -Widersprüche von Dogma und Vernunft zur Verzweiflung getrieben, ans offener Kanzel seine Kirchenlehre leugnet, dadurch Braut, Amt, Lebensstellung verliert, und der Verfolgung der orthodoxen Kamarilla anheinifällt. Es ist ein schauderndes, tief schmerzliches. Gemälde, welches der Verfasser uns hier vorführt und mit Wehmut verfolgen wir das allmähliche Versinken und Verkommen eines hochbeanlagten, nur zu sehr dem Freiheitsdrange sich hingebenden Mannes. Der physologische Forscher fragt sich mit Betrübnis, ob nicht dieses vorgeführte tragische Lebensbild im tvirklichen Leben, selbst bei unserem gesegneten Kulturfortschritt Analogien findet, und er kommt zu dem leidigen Resultate, diese Frage bejahen zu müsse». Diese Betrachtung läßt die Erwähnung einer auch nicht auf jüdischem Boden spielenden Erzählung hier am Platze sein. - ' H Inhalt: Dr. Adolf Jellinek. Preoiger der israelitische» Kultusgemeinde in Wien. — Gedächtnisrede zur Erinnerung an den sel. Herrn Rabbiner Dr. N. Brüll, gehalten in der Hauptversammlung des Mendelssohn-Bereins in Frankfurt a. M. am IL. März 1891 von Dr. I. Blau. — Beobachte den Jrühlingsmonat. Predigt gehalten am 8. Pastabtage in der Synagoge zu Stettin von Rabbiner Dr. H. Vogelstein. — Die Säulen des israelitischen Religionsgebüudes. Ein Vortrag von Tr. M. H. Friedländer. (Schluß). — lieber die Juden in Korfu. — Monatsschan. — Referate und Mitteilungen. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur »ud Herausgeber I>i. Adolf Brüll: in Kommission sür den Buchhandel bei Franz Benjamin Änffarth; Druck von H. L. Brönncr's Druckerei <F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.