Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 167 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969782-2969789--3278-2973179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
167 2. Briefe, die ein im Cancionero general von 1511 aufgeführter Dichter im Jahre 1456 an l'eclro Lopez de Ayala und König Heinrich IV. geschrieben hat. In diesen Briefen hebt der Verfasser einem französischen Ritter gegenüber die Vorzüge Spaniens vor Frankreich hervor. Es folgen Nachrichten über seinen Tod: er wurde nämlich als Anhänger der jüdischen Religionsgebränche (judaizante) an einem Turme in Toledo aufgehängt. (Diese Briefe sind vor vielen Jahren in einer heute kaum noch zugänglichen Zeitschrift veröffentlicht worden, aber unter dem Namen eines andern Verfassers. Ueberdies war die jener Ausgabe zugrunde liegende Handschrift so schlecht, daß schon der damalige Herausgeber sich darüber äuszusprechen Gelegenheit nahm.) 3. Streit zwischen der Synagoge zu Talavera und dem Kirchenkapitel daselbst über eine junge Jüdin, die ein Maure geraubt und zum Islam hatte übertreten lassen. Der Verfasser der Arbeit ist, da er in Deutschland wohl mehr wissenschaftliches Interesse für sein Werk finden wird, als in seiner Heimat, geneigt dasselbe gegen ein entsprechendes mäßiges Honorar abzutreten und beansprucht für sich nur noch etwa 25 Freiexemplare. Die Arbeit umfaßt 1. etwa 400, 2. 125, 3. 200 Quartseiten. Wir sind gerne bereit etwaige Unterhandlungen mit dem Verfasser zn vermitteln. Zwei Erzählungen von W. Frank. 1. Eine Standhafte. 2. Nemesis. Frankfurt a. M. Kommissionsverlag von I. Kauffmann. Wir besitzen in Herrn Frank, den das mit den Erzeugnissen der neueren Litteratur auf dem Boden des Judentums bekannte Publikum aus seinen bisherigen erschienenen Novellen gewiß schätzen gelernt hat, einen rüstigen Mitarbeiter auf dem streitdurchwühlten Felde des niodernen Bildungsprozesses. Eine eigentümliche Neigung zieht den schreibgewandten tüchtigen Verfasser stets inmitten der gewaltig unsere Zeit und die modernen Verhältnisse bewegenden Streitfragen. Alle seine Helden und hervorragenden Persönlichkeiten sind Typen, in denen eine wichtige Zeitfrage zum Ansdrucke gelangt. Mit richtigem Takte und unparteilichem, der Wahrheit allein huldigendem Sinne, weiß der Autor die richtige Mitte zwischen den sich bekämpfenden Gegensätzen, einer althergebrachten Anschauung und des modernen Zeitbewußtseins einzuhalten, so daß jede der Parteien ihn als den ihrigen zu erklären vermöchte, wenn nicht mit siegender Allgewalt, wenn auch im Kampfe unterliegend, und leidend — wie das ja bei unseren so zerrüttetten und Vieles zu wünschen übrig lassenden Zuständen so häufig vorkommt — doch die neue, auf Bildung und Fortschritt beruhende Zeitidee zum Durchbruche gelangte. Es gewährt einen Genuß dem Verfasser, der, wie gesagt, eine seltene Erzählungsgabe und Sprachgewandtheit, und besonders eine anziehende Gemütsweise besitzt, in seinem immer mehr sich vertiefenden und dem höheren Ziele sich nähernden schriftstellerischen und aufklärenden Wirken von Schritt zu Schritt zu verfolgen. Die „Standhafte" versetzt uns in die dörfliche Einsamkeit der nach altorthodoxen Grundsätzen lebenden Familie des Kaufmanns Grüneberg, in dessen ideal gesinnter Tochter Josephine wir aber schon die moderne, aufgeklärte Denkungsweise vertreten finden. Der orthodoxe Lehrer Immanuel Stern ist eben als Hauslehrer engagiert worden, und erregt seines dürftigen, einseitigen, aber doch auf gutem Willen und wahrer Frömmigkeit beruhenden wissenschaftlichen Bildungsgrades wegen, den Spott Josesihiiiens und ihrer Freundin, Anna von Heimburg. Durch eine seltsame, physologischen Gesetzen unterliegende Wandlung, fühlt sich aber Josephine so sehr zu dem bescheidenen, stillen Lehrer hingezogen, daß sie ihn zu ihrem Lebens-