Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1891)
- Date
- 1891-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 mußte ein solches Leben aus der alten Zeit, in welcher das Königtum zum ersten Male die Stämme Jakobs einte, der gestaltenden Dichtung geben! Lesen sich doch schon die historischen Berichte über Saul wie eine kunstvolle epische Darstellung, sind sie doch so klar und ergreifend in ihrer lebenswahren Zeichnung. Bewahrt uns das althebräische Schrifttum aus den Tagen der Psalmdichter den Schwung der gewaltigsten Lyrik, bewundern wir die herzbezwingende Redekunst der großen Propheten, so gibt uns das Buch Samuel, welches Sauls Leben beschreibt, Kunde von der Sicherheit, mit welcher die erzählende Form jener Tage die Seele des Menschen zu gewinnen, den Geist des Volkes zu fassen vermochte. Selbst das Toben des Krieges, die wogende Schlacht weiß der Geschichtschreiber in dem Hintergründe zu halten, um den Charakter seines Helden genau und treffend zu zeichnen. Fest sind die Linien und die Striche treten hervor, welche uns den emporwachsenden Mut und die Kraft des herrschenden Mannes erkennen lassen. Kaum merklich wechselt die Farbe der Darstellung und weiset doch mit Bestimmtheit auf die Düsternis und die Zerrüttung des hohen Geistes hin, bis sich das große Geschick vollendet und Israels Fürst noch in seinem Falle sich aufrafft, um seinem bedeutungsreichen Dasein den Ruhm des Heldentums zu sichern. Welcher Wechsel in dem Gemütsleben und in der Gedankenwelt eines Mannes liegt in der Geschichte Sauls vor uns! Ein schlichter Hirte zieht er daher. Der Seher, von ihm ausgesucht, salbt ihn zum Fürsten. Befeuerten Mutes tritt er in die Reihe der Geistgeweckten. Bescheiden kehrt er bald zu den Fluren des väterlichen Hauses zurück. Da weckt ihn der Ruf des Volkes. Er verläßt den Acker. Ein neuer Josua. ein Gideon, zieht er im Dunkel der Nacht über den Jordan, am Morgen zerschmettert er den übermüthigen Amoniter. Da steht er in Mizpa vor Gott gebeugt, dort will sich das Volk zerstreuen, der König hält es opfernd zusammen und verletzt das Gebot des Propheten. Mit vernichtendem Schwert wirft er an der Grenze seines Reiches die fremden Stämme nieder. Hier schont er den alten Widersacher Amalek und widerstrebt dem, der ihm im Namen Gottes den Auftrag gab, und einst die Krone reichte. Auf der Höhe des Siegesruhmes wendet sich das Geschick des heroischen Streiters. Der Friede seiner Seele ist gestört, ein Geist des Unheils durchtobt ihn schreckend. Gesang und der milde Ton der Harfe sollen dem Fürsten die glücklichen Tage der Jugend wieder bringen. Die Künste des Friedens, die er in den Gauen des Landes hob und weckte, ruft man,_ daß sie das kranke Gemüt des Königs heilen. Diese erfüllen ihn bald mit Schreck, denn das Lied preiset noch einen zweiten Helden. Und dieser neue Streiter ist jung und ihn liebt das Volk. Der Fürst gewahrt, wie der Lorbeer auf seinem Haupte bleicht, ahnuiigsvoll sieht er auch die Krone wanken. Nun treibt das Lied den Geist des Wahnsinns in seine Seele; der die Harfe rührt, ist David, der beneidete Sieger. Dieser David tritt in das Königshaus. Michal liebt ihn, Jonathan schließt mit ihm den Freundschaftsbund. Aber böse List und Wut werden die Waffen des racheerfassten Königs. Hört er einen Tag auf Jonathans mildes Wort, muß er Davids Tugend anerkennen, so wendet sich bald sein Sinn, er schwingt den Speer und schleudert lebentreffende Rache. In den Steppen jagt sie deu müden Flüchtling auf, David ist endlich ansgewandert. Aber des Königs Geist, so viel umstürmt, ist nun erlahmt. Im Anblicke des Philisterheeres bebt er zusammen. Von wilden Erscheinungen ist die Phantasie des einst so gewaltigen Mannes erfüllt. Noch sehen ihn die Philister streiten,