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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 24

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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Vitringa, Albert Schulten?, Capellus bahnten neue Wege und so gelangte erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts auch in Deutschland das historische Prinzip zur Geltung. Mit dem Zeitgenossen Mendelssohns, mit Lessing, erwachte der Geist der Kritik auch der Bibel gegenüber. Joh. Gottfried Eichhorn verkündete den Grundsatz der freien historischen Forschung, während die frommen Zionswächter mit Staatsgewalt den freien Geist hemmen wollten. Heute gehört Hengstenberg mit seinen Thesen selbst bei den konservativen zu den Ueberwniidenen, auf die man sich nicht berufen kann. Die Nebelmassen, welche über der Bibel lagerten, begannen sich zu lichten und die Posaune der Zionswächter versagte den Ton angesichts der Forschungen eines Ewald, Hnpfeld, Hitzig und Reuß. Sogar Karl Friedrich Keil rührte sich nicht und nur der Gymnasiallehrer Goßrau in Quedlinburg feuerte noch zu allgemeinem Ergötzen eine alte verrostete Kanone Hengstenbergs ab, in Form eines kläglichen Commentars zur Genesis. Man kann heute eigentlich nicht mehr von einem prinzipiellen Gegensätze, sondern von einem Mehr oder Weniger in Anerkennung des historischen Standpunktes sprechen. Das formale Offenbarungsprinzip ist gefallen und wird von Niemand mehr ernstlich verteidigt. Heute ist darüber in maßgebenden Kreisen kein Streit mehr, daß der Buchstabe des Alten Testaments menschliches Werk sei, welches die Spuren seines zeitlichen Ursprunges und der Schicksale, denen Schriftwerke unterworfen zu sein Pflegen, deutlich an sich trägt. Selbst Delitzsch sah sich oft genötigt, mit dem Verstände anfzugeben, wornach er sich mit dem Gemnte gesehnt sah. Diese historische Auffassung thut aber dem Werte des A. T. durchaus keinen Abbruch. Inden wie Christen stimmen darin überein, daß kein Buch bis ans den heutigen Tag eine solch eolossale Wirkung auf Leben nnd Sitte der Völker ausgeübt hat. Wo hat z. B. das religiöse Empfinden einen schöneren, und tieferen Ausdruck gefunden, als in den Psalmen? wo tritt uns das Ringen nach religiöser Wahrheit ergreifender und in erhabenerer Sprache entgegen,'als im Buche Hiob? Die Soferim haben dadurch, daß sie das Ende zum Anfang machten, durch die Spitzestellung der Thora den Wahn erzeugt, als habe die israelitische Religion mit dem Gesetze angefangen. Man muß umgekehrt das Prophetentnm als die älteste und beste israelitische Religionsschichte ansehen, das Deuteronomium ist der älteste und nicht der jüngste Teil der Thora, ihm gebührt die erste leitende Stelle, dem Deuteronomiuni, dem Summarium der Wirksamkeit des größten Propheten des Jeremias, dem Deuteronomium, welches den Ertrag der vorexilischen prophetischen Wirksamkeit bedeutet. In Ezechiels Geiste wurde dem Volke die Religion wie ein eiserner Reif an den Hals geschmiedet, auf welchen Weg später die Verfasser des Priestercodex gerieten, welchen das durch das Exil gebrochene Volk annahm. Wir haben in dem Mitgeteilteu die Gesichtspunkte des gelehrten Verfassers skizzirt und glauben, daß das ewig Göttliche der heiligen Schrift unabhängig vom Buchstaben in ihrem Geiste sich offenbart. Inhalt: Stellung und Aufgabe Deutscher jüdischen Bekenntnisses an der Wende des Jahrhunderts. — Aus dem Westen — Zum Makkabnerfeste. — Chanuka und Weihnachten. — Das Gesetz der Nächstenliebe und der Antisemitismus. — Dispensation vom Gesetze- — Monatsschau. — Referate. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber I>r. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Anffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (§. W. Brei den st ei»), sämtlich in Frankfurt am Main.

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