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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-12-01 · Heft 12 (1.12.1891) · p. Seite 288

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 12 (1.12.1891)
Date
1891-12-01
Page
Seite 288 (sequence 24)
Language
German
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heißt es mit Bezug auf den Schulchan Aruch (S. 62) :' Neuerdings ist auch' ein kurzer Prozeß durch den geoeckten Tisch (Schulchan Aruch) aufgekommen, . von dem man sagt „das ist der Tisch, welcher vor dem Herrn ist."' An dem Tisch finden sich Groß und Klein ein, man erkennt den Edlen von dem gemeinen Manne nicht, alles will von diesem hohen Tische seine Geistesnahrung nehmen, ohne daß man dem Grnnde und der Absicht der aufgetischten Bestimmung nachgeht: Wenn man schon nicht aus der Mischna Entscheidungen ableiten darf, da hierfür der Talmud da ist, der erst die Mischnah erklärt und auffassen lehrt, so ist es vollends eine Verkehrtheit solche Entscheidungen von dem Schulchan- Aruch zu schöpfen. Wir sehen, die Orthodoxen sind auf falscher Fährte, wenn sie den Schulchan-Aruch als Gesetzbuch der Juden bezeichnen und die Judenfeinde handeln verkehrt, wenn sie einem Buche, das religionsgeschichtliche Bedeutung hat, eine religionsgesetzliche Kraft zuerkennen. R. Salomo Ephraim ' aus Lenczyc (16. Jahrh.) beklagt sich (S. 84) über die während des Gebetes - stattfindenden, besonders auf den Verkauf von. Eßwaaren und Getränken bezüglichen Kundmachungen. Ganz tadlenswert ist das Vorbringen und Ausfechten von Privatstreitigkeite», was man „Klamen" nennt, wodurch der Gottesdienst unterbrochen und das Gotteshaus zu einer Räuberhöhle gemacht wird. Dadurch schreibt er, werden wir unserer Umgebung zum Gespötte und wenn die Nichtjuden, wie sie zu thun gewohnt sind, in unsere Gotteshäuser komnien, um zu sehen, was die Juden ' darin treiben, so beschimpfen sie, wenn sie diesen großen Unfug sehen uns und alle unsere Einrichtungen. Auch beklage ich . mich über die Menge von Pijutim, die wir zwischen den Gebeten sagen. Die ' meisten murmeln mit den Lippen ohne zu wissen, was sie sagen. Eine eigent-; sich pädagogische Schrift ist das Buch „Kezad seder Mischnah" . von.Moses ben< Ähron aus Mähren (Morafschik Lublin 635) welcher in Pisenz wohnte und " später nach Lublin kam. Man vergleiche dessen Ausführungen (@. 97 u. s. w.) R. Sabbatai b. Jesai Helevi Horwitz (17. Jahrh.) schärft in seinen: Testamente den Töchtern ein, den Pentateuch in deutscher Sprache zu lesen, (S. 123) wie; denn auch Moses Chasid aus Prag (17. Jahrh.) schreibt: Was dieses Gebet betrifft, so kann man es meiner Ansicht nach, auch in deutscher Sprache ver-; richten, die Einem geläufig ist. Man sagt einem großen Manne nach, daß er vor Beginn seines Studiums mit großer Andacht ein Gebet in der üblichen Sprache zu verrichten pflegte. Der Ansicht bin ich auch (S. 139). R. Hirsch Kaidanower (Frankfurt, a. M. um 1691, ermahnt die jüdischen Frauen in Frankfurt sie sollen sich .nicht kleiden, wie die Nichtjuden, er schreibt: (S. 180) Während wir aus Trauer: über unser Exil und unsere verfolgten Glaubensgenossen schwarz gekleidet sein sollten, gehen unsere Frauen im Gegenteil stolz und tief ausgeschnitten umher. Er tadelt auch beit Luxus der Frauen, der die Männer zu Grunde richtet und daß die jüdischen Kinder Französisch und andere Sprachen sprechen lernen. Er meint „das Französische und andere Sprachen sind jetzt die Hauptgegenstände des Unterrichts, der Unterricht in der Thora eine Nebensache".___ __ Inhalt: Giacomo Äeyerbeer und Richard Wagner von Dr. Adolph Kohüt. — Ein Christ über die Judenfrage. — Das letzte schriftstellerische Unternehmen des sel. Prof. Dr. H. Graetz nach seiner eigenen Darlegung. — — f Referate und Mitteilungen. — Beilage._ Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber I)r. Adolf Brüll; in Kommission für de» Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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