Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969782-2969794--3398-2972992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
282 Auffindung des kleinen Moses im Nil behandelte, und in sechs Acten wurde der Auszug uns Aegypten und der Zug durch die Wüste bis zur Einnahme Jericho's dramatisch vorgeführt. Wenn man bedenkt, daß vom Darsteller des Moses an bis zum letzen Bühnenarbeiter, die Chorsänger und Musikanten, die Kostümschneider und der Decorationsmaler nur Bauern, einfache Bauern sind, welche die ganze Woche hindurch, Jahr aus Jahr ein, die schwere Arbeit des Landmannes verrichten, so muß man staunen, wie trefflich Alles von Statten ging. — Herr Dr. I. S. Hloch in Wien hat am 20. Oktober bei Gelegenheit der Debatte über die Errichtung von Aerztekammern den Abgeordneten Schneider, der die jüdischen Aerzte verdächtigte, in nieisterhafter Weise heimgeleuchtet und sich dadurch von Neuem um die Sache der Wahrheit und Gerechtigkeit verdient gemacht. Die Rede wird reinigend auf die durch den Antisemitismus verpestete Luft gewirkt haben. — Man berichtet: Derjenige, der zuerst klar und mit vollem Bewußtsein die Idee der elektrischen Kraftübertragung bereits von einem Menscheualter ausgesprochen hat, ist (nach einer Mitteilung des „N. Wiener Tagebl.") der Elektrotechniker Joseph Popper in Wien. In einem im Jahre 1862 bei der dortigen Akadeniie der Wissenschaft uiedergelegten Dokumente schrieb er „über die Benutzung der Naturkräfte" wörtlich Folgendes: „Dies Alles ist aber zu bewerkstelligen, wenn der Motor, z. B. der Wasserfall eine passend aufgestellte magnet-elektrische Maschine bewegt; der hierdurch entstehende galvanische Strom in einer Art Telegraphenleitung über Berg und Thal geleitet und am gewünschten Orte mittels einer elektromagnetischen Maschine zu mechanischer und unmittelbar zu chemischer Arbeit — also zur Elektrolyse im Großen — verwendet wird." Dieser Satz zeigt, wie deutlich der Autor desselben das Problem der elektrischen Kraftübertragung bereits vor 30 Jahren erfaßt hatte. — Am 27. September 1791 waren es hundert Jahre seitdem die erste National- Versammlung in Paris die Emanzipation der Juden beschloß. Aus diesen! Anlasse baten die „Archive« israelites” einige hervorragende Persönlichkeiten um ihre Meinung über das Ereignis und erhielten u. a. folgende Antworten: „Die Emanzipation der Juden im Jahre 1791 ist eine der ehrenvollsten und weisesten Handlungen der Konstituante von 1789. Die Genugthuung kam spät, aber sie war vollständig. Man kann sie auf den Geist der Duldung zurückführeu, welche Voltaire, -ohne selbst sehr tolerant zu sein, zu verbreiten geholfen hatte. Seit mehr als zweitausend Jahren gaben die Juden der Welt ein Beispiel von unerschütterlicher Ausdauer und von Glauben. Das gereicht ihnen und auch der Menschheit zum Ruhme. Sie miisfen immerdar bleiben, was sie sind. Gestützt auf die Bibel, das größte der heiligen Bücher, dürfen sie glauben, daß sie in Bezug auf Religion und Gottesfurcht von Niemandem etwas zu lernen haben, und daß ohne das alte Testament das neue nicht möglich gewesen wäre. Karthelemy Saint Maire." „Was die verfassunggebende Versammlung am 27. September gethau hat, ist weniger die Emanzipation einer Klasse von Bürgern, als eine neue Verkündigung, eine neue Anwendung des Prinzips der Gewissensfreiheit. Wir Katholiken sind dieser großen That ebenso viel Dank schuldig, wie die Jude»; denn sie hat den Juden die Eigenschaft der Verfolgten genommen und uns die häßlichere die der Verfolger. Die antisemitischen Liguen schaden ganz besonders den Christen, weil sie dieselben entehren, und den Philosophen, weil sie zeigen, welch geringen Einfluß sie heute ausüben. Es treibt mir die Schamröte ins Gesicht, wenn ich sehe, daß sie sich in einem Lande ausbreiten, das einerseits dem heiligen Vincens von Paula das Leben gab und