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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-11-01 · Heft 11 (1.11.1889) · p. Seite 261

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 11 (1.11.1889)
Date
1889-11-01
Page
Seite 261 (sequence 21)
Language
German
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261 „Chronacanera“ (Schwarze Chronik) deren Herausgeber ein Jude Namens Palermo ist. In dieser Zeitschrift wird das Papsttum und der höhere katholische Klerus heftig angegriffen. Es ist ein Unglück für die Jude», daß Palermo ein Jude ist und muß man von allen Seiten gegen sein Treiben energisch austreten, denn wehe, wenn der heilige Vater sich zu einer Encyclica gegen die Juden bestimmen ließe! — In Kom starb. Herr Professor Angela di Enpna, der sich durch seine Kenntnis der handschriftlichen Schätze aus der jüdischen Litteratur in den Bibliotheken Roms auszeichnete, und bereitwilligst Abschriften von Handschriften für auswärtige jüdische Gelehrte besorgte. In der Talmudausgabe zu Wilna sind aus Handschriften des Vatikans Kommentarien zu einzelnen Piecen von ihm abgedruckt. — Herr Segre wurde zum italienischen Gesandten in Montevidea und Herr Giulio Levy in gleicher Eigenschaft in Washington ernannt. — Auf Veranlassung des Herrn Karl Rothschild wurde in Athen eine Versammlung berufen, in der der Bau einer Synagoge und die Organisation der jüdischen Gemeinde beschlossen wurde. — Herr M. Kasilewsky in Slatopol gibt eine russische Uebersetzung des Talmud heraus. — In Odessa ist der erste Teil der gesammelten Schriften I. L. Gordons, herausgegeben von Kabinihki und Hornstein, erschienen. — In Rußland wurden jüngst jüdische Geschäftsreisende aus Schlesien ausgewiesen. — In Wilna feierte der bekannte Schriftsteller Herr K. Schumann, dessen litterarische Wirksamkeit von wesentlichem Einflüsse auf die Culturentwicklung der Juden in Rußland gewesen, am 15. August seinen 76. Geburtstag. — Am 31. August starb in St. Petersburg auf der Straße plötzlich im Alter von über 80 Jahren Herr L. I. Mandelstamm. Er wurde, weil man ihn nicht erkannte und er keinem seiner Glaubensgenossen fehlte, vorerst auf einem nichtjüdischen Friedhofe beigesetzt. Später wurde er exhumirt und in Ehren auf dem jüdischen Gottesacker beerdigt. An seinem Grabe sprachen die Herren Rabbiner Glschmanger, A. Zedernbaum, Rechtsanwalt Zlonimsky und I. Danstg. Mit ihm ist einer der letzten Vorkämpfer für Licht und Aufklärung unter den Juden in Rußland ins Grab gesunken. Nur noch kurze Zeit und die Finsternis kann dort ungestört ihre Schatten weithin ausbreiten. Mandelstamm hat im Jahre 1847 im Aufträge des Ministers für Volksaufklärung Rußland bereist und wurde überall begeistert ausgenommen. Er hat die Bibel ins Deutsche und den Pentateuch ins Russische übersetzt. Von ihm stammt die auf Kosten der russischen Regierung herausgegebene Uebersetzung der „Jad Hachasaka“ von Maimonides. Sein stolzer, ehrlicher und standhafter Charakter machte ihm sowohl die Orthodoxen und die sogenannten Aufgeklärten zu Feinden, was ihm zur Ehre gereicht, denn seine Gedanken waren nicht ihre Gedanken und seine Wege nicht ihre Wege. — Herr I. Steinhaus sind. med., ein Jude, in Warschau hat für ein wissenschaftliches Werk die höchste Auszeichnung, eine goldene Medaille erhalten. — Herr Lester Levi, jiingst in Warschau verstorben, hat 48,000 Rubel für Wohlthätigkeitszwecke bestimmt. Die Erben haben noch eine große Summe hinzugefügt und den Bau einer jüdischen Irrenanstalt beschlossen. — Aus Rußland wandern neuerdings viele Juden nach Amerika aus. — Herr Staatsrat Dr. Harkavy in St. Petersburg ist von der Königin von Spanien mit dem Jfabellen-Orden ausgezeichnet worden. — In Poltama gab es wegen Aufnahme eines Kronrabbiners zwei Parteien. Es trug sich nun das Schreckliche zu, daß der erwählte Herr Rabbiner Schachor am selben Tage, als er sein Amt antrat, am Morgen nach eingenommenem Frühstück plötzlich verstarb. Er hatte vor seinem Amtsantritte Drohbriefe bekommen, daß ihn sein Amt das Leben kosten

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