Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1889)
- Date
- 1889-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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D«pM>i - «mMmcksftlirliq jur -föefeljiuiig fißer das Oufteuturn für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Dr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 9. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. November 1889. Kummer 11. Die Jorterhattung des Judentums. (Berföhnungstag 1889.) Was wir im Leben so oft suchen und nicht immer finden, so oft verlangen und manchmal gar sehr vermissen, den wahren Seelenfrieden, den kein innerer Zwiespalt trübt, den keine Anfechtung feindlicher Geschicke uns zu nehmen vermag, den wir nur im festen Vertrauen auf Gott und im steten Bewußtsein unserer lauteren Gesinnung uns zu erhalten vermögen, will der heutige Tag, der die Ketten unserer Sünde zerbricht und die Wunden unserer Unvernunft heilt, uns bringen, uns zum bleibenden Herzensbesitze machen. Wir verlassen daher für heute die Unruhe der Welt, die Geschäftigkeit des Alltaglebens, fliehen die Erde mit allem, was uns zu ihr hinzieht, um nur zu dem, der von seinen Himmeln auf uns herabschaut, unseren Blick emporzurichten, unsere Seele dem Dienste des Herrn zu weihen und jenen Frieden in uns aufzunehmen, der uns mit Gott vereint und uns über allen Kampf des irdischen Daseins erhebt. Gewiß werden wir darin nur eine Wohlthat erkennen, daß ein solcher Tag uns gegeben ist, ein solch' erhabener Tag des Herrn! ein Fest, das uns zur völligen ununterbrochenen Ruhe hinführt, damit unsere Seele nur sich allein angehöre und in der Rückkehr zu Gott ihren dauernden Frieden erlange. Aber wir müssen es auch erkennen, daß solche Ruhe keineswegs in jener müßigen Gedankenlosigkeit besteht, die alles über sich ergehen läßt, alles so hinnimmt, wie es ihr geboten wird, ohne es ernstlich zu fassen nnd zu würdigen, und dürfen unseren Friede» nicht in jener Unthätigkeit suchen, die in träger Zurückgezogenheit sich