Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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233 damit er von den Leuten nicht als Bettler angesehen werde, mehr aber noch, damit er sich nicht selbst als Bettler anzusehen beginne und in seinem Streben sich emporzuraffcn nicht erschlaffe und sich seinem Schicksal überlasse. Darum soll der Arme in seinen Gewohnheiten, in seiner Lebensweise, selbst wenn sie vom Standpunkte der Armut nicht zu billigen sind, belassen werden, um ihn durch die Vorstellung, die er über sich bei der Außenwelt erhalten wissen will, zur Wiedergewinnung dieses verlorenen Zustandes zu bewegen. So erklärte Hillel: War der Arme gewohnt, sich ein Reitpferd und einen Vorläufer zu halten, so hat die Armenunterstützung die Pflicht, diese Bedürfnisse ihm zu versorgen. Diesen seinen Ausspruch erfüllte auch der alte Hillel buchstäblich, indem er einem vornehmen Manne, der herabgekommen war, auf eigene Kosten ein Reitpferd und einen Vorläufer hielt. Ja sogar, als er eines Tages keinen Diener auftreiben konnte, der jenem vorlaufen sollte, lief er ihm selbst 3 Mil (M. 1478.7 m) vor. Z Wonatsfchau. In Kerlin starb am 17. August Herr Sigismund Kaufmann aus Kew- Uork. Der Verblichene war einer der bekanntesten Advokaten New-Iorks und ein hervorragender Politiker. Er stammte aus Schotten in Oberhessen und hat vor einigen Jahren der dortigen israelitischen Gemeinde gelegentlich seines Aufenthaltes daselbst eine namhafte Summe zur Synagogen-Renovation gespendet. — In Walfang starb am 7. Angust der verdiente Lehrer Herr A. Ackermann. Herr Rabbiner Dr. Hlumenstein aus Luxemburg hob in der Leichenrede die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen gebührend hervor. — In Freiburg in Baden starb am 30. August Herr Hofrat Dr. Gustav Weil, der bekannte Orientalist und Geschichtsforscher. Weil, der das 81. Lebensjahr überschritten hatte, war zu Salzburg geboren; er studierte erst Theologie, dann zu Heidelberg Philologie, Geschichte und orientalische Sprachen, in Paris noch insbesondere das Arabische und lebte hierauf fünf Jahre in Kairo. Nach seiner Rückkehr wurde er Kollaborator an der Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg, 1838 Bibliothekar, 1845 außerordentlicher, 1861 ordentlicher Professor der orientalischen Sprachen. Als Schriftsteller trat er zuerst mit der Uebersetzung von Zamachschari's „Goldenen Halsbändern" auf, welcher dann „Die poetische Litteratur der Araber", sowie die Uebersetzung von „Tausend und eine Nacht" und „Einleitung in den Koran" folgten. Weil's Hauptwerke sind „Mohamed, der Prophet", die vorzügliche „Geschichte der Chalifen" und eine „Geschichte der islamitischen Völker von Mohamed bis zur Zeit des Sultans Selim", das Ergebnis 30jähriger historischer Forschungen. — Am 9. und 10. Juni fand in St. Johann a. d. Saar unter Vorsitz des Herrn Eppstein aus Hoppstaedten die Generalversammlung der israelitischen Lehrer und Kultusbeamten Süddentschlands statt. — Am 10. Juni tagte in Hannover der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Hannover unter Vorsitz des Herrn Lehrer Slumenfeld aus Adelebsen. Herr Lehrer Stern aus Hildesheim gab ein Referat über die Behandlung der „Tefillah" in der jüdischen Volksschule. — In Eastel fand am 8. Juli die Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonfereuz Hessens unter Vorsitz des Herrn Dr. ') Kethub. 67. 20