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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-10-01 · Heft 10 (1.10.1889) · p. Seite 225

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 10 (1.10.1889)
Date
1889-10-01
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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225 nur wer treulos handelt. — Mit schmeichlerischem Munde — richtet man den Freund zu Grunde, — pflegt ihn mit dem Kuß und Schmeichelwort der Liebe — und hegt für ihn des Hasses Triebe, — auf der Lauer gehalten, — in des Herzens Falten, — in welchem walten — der Niedertracht Gestalten. — Jeder Bruder ist zum Trug bereit,— und da ich schaue solche Zeit, — verwünsch' ich sie und klage — im Gedicht und sage: Bei meinem Leben, ich erstaune nicht, Wenn einst man über dich nur Falsches spricht, Da ja dorthin, wo Katzen nimmer weilen, Die Mäuse gerne hüpfen, hastig eilen. O Griffel klage, daß das Schicksalsrad, Das frei sich wälzt auf unserm Lebenspfad, Der Wahrheit Rede straucheln, sinken machte, Die Lüge aber in die Höhe brachte. — Zur Lästrung machts des Armen betend Wort, Den Schlaukopf — rein, den Lobgesang — zur Sünde, Gemeingesinnten stellts auf hohen Ort, Des Unrechts Rechte hebt es fort und fort, Und Fromnie stürzt es in Verderbens Gründe. Auf Inseln macht's Verständg'e kinderlos, Gemeine krönt's, Verächtliche macht's groß, Verschließt für solche, die auf Gaben hoffen, Der Reichen Ohr, läßts nur für Spender offen, Läßt einen Vorwand suchen treulos Handelnde, Des Kleides zu berauben redlich Wandelnde, Und macht der Heuchler Jauchzen weithin hallen, Doch in der Frommen Lager Jammer schallen. Dem Munde heil, der niederträchtig redet, — Wer grade spricht, wird vom Fluch befehdet. Das Schlechte gilt als gut, — die Braut gilt gleich Der Jungfrau, Süßem Bittres, finsterm Reich, Das Licht — doch Brachja flucht der Zeit, dem Jetzt, Und Allem, was sie in Bewegung setzt. Von jenen fern soll trocknes Brod mich laben — Mit ihnen will ich nichts zu theilen haben. — Als ich über dieses Übel nachgedacht, — Hab ich schlaflose Nächte zugebracht, — und mich entschlossen — die Gedanken und Worte mir entflossen, — in einem Buche niederzulegen, — Andern zum Segen, — denn wer dieses Buch zu lesen wird kommen, — hat, wenn er's in sich ausgenommen, — gesunde Nahrung bekommen, — weil „vom Zehrer kommt Zehrung",*) — von seinein Verstand der Verständigen Mehrung. — Siehst du also meiner Fabeln Band, — sprich nicht: „ein Dornstrauch in des Trunkenen Hand — ist die Fabel in des Thoren Munde",^) — weil Träumerei ihr liegt zu Grunde. — Nur von Frevlern kommt Frevelmut, — Heil von denen, die gut.— Klage Niemand mich an, thöricht zu handeln, — der Kluge weiß schon seinen Weg zu wandeln?) — •) Richter 14, 14. “) Spr. Sal. 26, 9. 3) Spr. Sal. 14, 5.

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