Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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zur Netehruug üöer das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Mrgan des Mendelssohtt-Vereius in Frankfurt a. M. Herausgegeben v r. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Bnchhaildlungen und Postaiistalte» des Innnd Auslandes. 9. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Oktober 1889 Kummer 10. Das gute Kerz. (Betrachtung für de« Vorabend des Bersöhnnngstages.) „Siehe, es kommen Tage, spricht Gott der Herr, da sende ich einen Hunger in das Land, nicht den Hunger nach Brod und nicht Durst nach Wasser, sondern einen Hunger zu hören das Wort des Herrn", einen Hunger der Seelen, daß sie schmachten nach den Erquickungen der göttlichen Lehre, und einen Durst der Gemüter, daß sie nach Labung aus dem ewig frischen und ewig vollen Heilesquell der Religion verlangen. Wohl treten im Laufe unseres Erdendaseins solche Zeiten der Sehnsucht nach dem Göttlichen, wie sie der Prophet des Herrn uns schildert und ankündigt, nur selten ein, sucht der Mensch, den die Welt mit ihrem Zauber festhält, den die Erde mit ihren Gaben sättigt, nur selten nach der Frucht der Erkenntnis, die auf den Gefilden der Gotteslehre gedeiht und an dem Lebensbaume der Religion heranreift; umhergetrieben in dem Wirbel irdischer Sorge, in dem Taumel des irdischen Genusses dahinträumend, verlernen und verlieren wir wohl gar leicht das Streben nach und das Gefallen an den erhabenen und unvergänglichen Wonnen, die die Religion in unser Herz legen will; aber einmal, sei es, daß die Zeit daran mahnt oder das Geschick dazu drängt oder der denkende Geist und das fühlende Herz von selbst dazu auffordern, einmal erwacht in jedem Erdensohn eine solche Sehnsucht nach dem Höheren, erwacht in jedein das Bewußtsein seiner Geisteswürde, das Bedürfnis nach solcher Gottesweihe und es gibt Stunden, in denen eine so gewaltig-erhabene Stimmung uns beseelt, daß wir zu dem Ewigen