Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969768-2969776--2617-2972807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fffpläii - iMSiMttisdraftlidi^, zur Reteyruug ftßer das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben voll vr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. S. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Juli 1889. Kummer 7. Aus dem Schriftschatz der Juden. Bon Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden. I. Seit länger als zehn Jahren heißt in Deutschland das Wort und der Begriff, in dem Haß und Unzufriedenheit der Mehrzahl gipfeln: Jude. Der ahnenstolze Graf, wie der — mit und ohne Befähigungsnachweis — in die Innung getretene Meister, der Gymnasiallehrer wie der Universitätsprofessor, der Regierungsbeamte wie der amtliche oder freiwillige Kartellzeitungsschreiber — sie > haben sich zumeist gleichmäßig in den Sport, zu Deutsch die Hatz, gegen den und die Juden verrannt. Das geht soweit, daß sich alles ihnen Unliebsame in ihren Augen zum Juden umwandelt, wie sie es selbst mit dem aus urchristlicher Familie stammenden vr. Mackenzie versuchten. Die in diesem Jahrzehnt des Massen- und Rassenhasses erwachsene und aufwachsende Jugend — solche Klage ertönt ja aus vielen Schulen, aus fast allen Universitäten — hatte einen schweren Stand, und es lag die Gefahr nahe, daß der Judenhaß von außen übergehe in einen Judenhaß im Innern, in eine Flucht aus dem Judentum, im wirklichen oder doch im bildlichen Wortsinne — in Entfremdung, Abneigung und Verbitterung gegen alles Jüdische. Vielfache Erfahrungen der neueren Heit haben diese Gefährdung bestätigt. Rur scheinbar widerspricht dem eine gewrsse, manchen jüdischen Kreisen heutzutage mehr als vor 20 und 30 Jahren eigene altgläubige Färbung, die seltsam absticht von der durchaus entgegengesetzten Lebensführung, bte den alten Brauch