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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-06-01 · Heft 6 (1.6.1889) · p. [Seite]

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 6 (1.6.1889)
Date
1889-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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H«M>I -wis»en»ckmstlickq zur Netehrung ftfier öas Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. ITT. Herausgegeben von Dr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 9. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Juni 1889. Uummer 6. Der leitende Grundgedanke der Sinaitehre. Wenn wir den Inhalt der vielbewunderten zehn Aussprüche vom Sinai, die die Grundlage nicht allein des Judentums, sondern überhaupt auch der sitt-- lichen Weltordnüng geworden sind, einer eingehenden, unbefangenen und vorurteilslosen Prüfung unterwerfen, so werden wir bald zu der Einsicht gelangen, daß die Lehren, die in ihnen verkündet sind, gar nicht so viel des Neuen und Außergewöhnlichen darbieten, wie das von einem Gesetze zu erwarten gewesen wäre, das als die Offenbarung des göttlichen Willens sich beurkundet und als der Inbegriff der höchsten menschlichen Erkenntnis gelten soll. Man braucht seinen Geist gar nicht zu sehr anzustrengen, nicht so viel Scharfsinn und Tiefblick zu besitzen, um auch aus eigener Vernunft solche Vorschriften für eine sittliche Lebensführnng ableiten zu können, wie sie hier aufgestellt sind. Es genügt, daß jemand nur auf einer mittelmäßigen Bildungsstufe stehe und er wird, wenn er dazu aufgefordert wird, ohne Mühe eine Pflichtenlehre entwerfen köunen, die an Reichtum des Inhalts und Gefälligkeit der Darstellung es ganz gut mit dem Zehngebot aufnehmen kann. Das hat man doch wohl auch schon vor Moses gewußt, daß man nicht stehlen, nicht morden, nicht lügen und verleumden dürfe, und wenn wir in dem Schrifttums, das die Weisen der alten Zeiten uns hinterlassen haben, uns umsehen, dann werden wir in Unzahl Lehrsätze und Weisheitssprüche finden, in denen, oft sogar in viel schöneren Worten, dieselben Mahnungen ausgesprochen werden, die Israel einst bei dem Berge Sinai vernommen hat. Was ist es nun, daß wir, da wir doch über die einfachen Begriffe von Recht

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