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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-05-01 · Heft 5 (1.5.1889) · p. Seite 114

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 5 (1.5.1889)
Date
1889-05-01
Page
Seite 114 (sequence 18)
Language
German
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114 Friedhof anfegen zu dürfen, abgewiesen, weil nach eidgenössischem Rechte das Begräbnißwesen keinen konfessionellen Charakter tragen soll. —Herr Daran von Kirsch hat der Alliance israelite universelle in Paris neuerdings große Summen zugewendet. — In dem illustrierten „Almanach de la Paix“ (Friedens-Almanach für 1889) findet sich auch ein Nekrolog über den verstorbenen Großrabbiner Isidor, der 1867 die „Internationale und beständige Friedensliga" gegründet hat, welche heute unter dem Namen „Loviotv Frangaise des Amis de la Paix“ (Französischer Verein der Friedensfreunde) besteht. — In der Sitzung der Akademie der Inschriften in Paris hielt Herr Jules Gppert einen Vortrag über das Phönizische und wies nach, daß die chronologischen Angaben der Bibel durch die neueren Forschungen über den Unterschied der phönizischen, assyrischen und ägyptischen Zeitrechnung bestätigt werden. — Am 22. Februar starb in Paris der Hauptmann a. D. Gabriel Salvador, der auf eine ehrenvolle militärische Laufbahn zurückblickt und zumal im deutsch-französischen Kriege sich ausgezeichnet hat, im Alter von 78 Jahren. Er war ein Neffe des bekannten Gelehrten Josef Salvador, des Verfassers der „Geschichte der Römerschaft in Judäa", dessen Leben und Schriften er vor einem Jahrzehnt in einer interessanten Schrift darstellte. — Unter verschiedenen zu Rittern der Ehreulegiou ernannten Israeliten in Paris befindet sich auch Herr Darmestetter, dem für seine zwanzigjährigen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiete des Unterrichtes diese Auszeichnung zu Teil wurde.— In Paris hat die jüdisch-polnische Schauspielertruppe am 26. Januar eine biblischhistorische Operette „Raschi" in 5 Akten gegeben. In einer Loge befand sich bei der Aufführung auch der Antisemit Drumont. Das Stück beginnt mit einem Lehrvortrage Raschis und schließt mit dessen Begräbnis. — In Paris gilt der Bildhauer Serenstamm, ein Jude, als der größte Künstler der Jetztzeit auf seinem Gebiete. — Auf der „Exposition monumentale“ in Srussel wurde den beiden jüdischen Künstlern Herrn E. und Herrn Prof. M. H. Levi der erste Preis für von ihnen ausgestellte Malereien zuerkannt. — Madame Patti hat in Krüssel auch ein Konzert für eine jüdische Armen-Unterstützungs-Gesellschaft gegeben. Ueber Madame Patti erzählt der Konzertsänger Dia; de Soria, der nach spanischjüdischer Sitte eine Mesusah an einem goldenen Kettchen trägt, daß ihm dieselbe im Sommer dieses Jahres, als er bei der Patti auf ihrem englischen Schlosse sang, vom Halse zu Boden fiel. Neugierig erkundigte sich die Patti nach dem Zwecke des zierlichen Objektes, auf welchem seltsame Buchstaben eingraviert standen. Der Sänger erklärte die Bedeutung des Amulets und die Patti, welche trotz ihrer künstlerischen Bedeutung von dem bekannten Aberglauben der Theaterleute durchdrungen ist, wünschte ein solches Amulet vor ihrem Auftreten als Julia in Paris zu besitzen. Diaz de Soria bestellte als galanter Mann bei dem geschicktesten Kaligraphen der spanisch-jüdischen Gemeinde zu Amsterdam eme Mesusah in Miniatur-Format und bei einem berühmten Londoner Goldschmied eine goldene Kapsel mit dem Namen Gott, welche als Anhängsel an das Lieblings-Armband der Patti befestigt wurde. Als kürzlich die Baronin Rothschild zufällig das neue Amnlet der Sängerin bemerkte, fragte sie erstaunt: „Was, auch Sie, Madame, sind Jüdin?" Die Patti verneinte zwar lächelnd, bemerkte aber, daß ihr der alte Gott bei „Romeo und Julie" Glück gebracht habe, und daß sie die Mesusah immer tragen wolle selbst auf die Gefahr hin, für eine Jüdin gehalten zu werden. — Am 2. Januar feierte Herr M. Angel, Direktor der jüd. Freischule iu London, sein 50jähriges Amtsjubiläum. Bei dieser Gelegenheit wurden dem Jubilar vielfache Beweise der Liebe und Anerkennung zu Teil. —

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