Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1889)
- Date
- 1889-04-01
- Page
- Seite 93 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Wirtin El. Hecht, die erst drei Monate verehelicht war, beraubt mit zerschmettertem Schädel aufgefunden wurde. Die Mörderin wurde in der Person einer slovakischen Bäuerin eruirt. — Der vielgenannte und wegen seiner Millionenspenden so vielumworbene Herr Daran Hirsch hat neuerdings auch der hilfsbedürftigen Gewerbsleute diesseits und jenseits der Leitha gedacht. Er hat bestimmt, daß allmonatlich in den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern 10,000 Gulden an solche Personen verteilt werden, die sich geschäftlich in Kalamitäten befinden, denen aber niit einem mäßig hohen Geldbeträge über momentane Schwierigkeiten hinweggeholfen werden könnte. Börsengeschäfte sind von diesen Unterstützungen ausgeschlossen, ebenso die Verteilung von kleineren Almosen von 5 oder 10 Gulden; der Zweck der neuen Stiftung ist vielmehr ausschließlich die Erhaltung eines lebensfähigen und gesunden Gewerbebestandes. Für den Monat Februar sind die 10,000 Gulden bereits zur Verteilung gelangt und auch für März sind schon zahlreiche Vormerkungen beantragt. — Zu dem neuen Staatthalter in Lemberg Herrn Grafen Dadeni kam des öftern eine arme jüdische Hausirerin mit Dinte und Schreibfedern und derselbe gab in erbarmungsvoller Weise den Befehl, daß der ganze Bedarf in diesen Sachen von dieser Armen gekauft werden solle. Durch längere Zeit erschien dieselbe nicht mehr. Der Statthalter ließ Erkundigungen über sie einholeu und als sein Diener ihm mitgeteilt hatte, dieselbe sei krank und elend, da schickte der großherzige Graf ihr 300 fl. zu und schrieb gleichzeitig ihretwegen an Baron Hirsch, der ihr sofort zur Vergrößerung des Geschäfts 1000 fl. zukommen ließ. — Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg hat an Herrn Baron Hirsch für seine Stiftung zu Gunsten der Juden in Galizien am 16. Dezember eine Dankadresse gerichtet. — Auf den Feldern bei Tornopol arbeiten über 60 jüdische Kinder. Die christlichen Bauern nennen sie „Allianci" weil sie auf Kosten der „Alliance" zum Ackerbau erzogen werden. — Die „Oeffentliche israelit. Vereins-Volksschule Talmud-Tora" in Wien hat im Jahre 1888 ein Defizit von 997 fl. 7 kr. ö. W. zu verzeichnen und der Fortbestand der Anstalt ist dadurch sehr in Frage gestellt. — Nach dem fünfunddreißigsten Berichte des österreichischen israelitischen Taubstummen-Jnstitutes in Wien, das jetzt unter Leitung des Herrn Dr. Moritz Srnnner steht, wurden im abgelaufenen Jahre 30,008.47 fl. ö. W. eingenommen und 37,058.40 fl. ö. W. ausgegeben. — Die Sudapejter israelitische Gemeinde hat im abgelaufenen Jahre nahezu eine viertel Million Gulden verausgabt und zwar: Rabbinergehalte 14,730, Hospital 21,142, an Arme 26,788, Knabenschenschulen 18,885, Mädchenschule 7070, Religionsunterricht 28,657, Talmud-Thora 3400, Bekleidung von Schulkindern 5000, Synagogen 41,888, Extraausgaben 33,290 fl. — Aus dem Wiener Gemeinderat ist vom 11. Februar wieder ein antisemitischer Skandal zu verzeichnen, der bei Gelegenheit der Gasfrage explodirte. Herr Detter ließ es sich nicht nehmen, Rothschild und Montefiore zu verlästern. Die Sitzung mußte geschlossen werden , da durch die entstandene Bewegung eine sachliche Beratung nicht mehr möglich war. — In einer Sitzung des Gefterreichischen Abgeordnetenhauses brachte der antisemitische Abgeordnete Wrk einen Antrag ein, welcher gegen Namensänderungen bei Juden gerichtet ist mit der Begründung, daß durch solche ein wesentliches Merkmal der Stammesangehörigkeit verwischt werde. — Am 7. Februar wurde der bekannte antisemitische Agitator Derhovay in Dudapejt zu 6 Wochen Gefängnis und zu einer Geldstrafe verurteilt. — Der Kaffeehausbesitzer Julius Hrauneis in Inaim, der Führer der dortigen Antisemiten hat am 2. Januar daselbst seine 78jährige Mutter ermordet. — Von Wien