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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-04-01 · Heft 4 (1.4.1889) · p. Seite 92

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 4 (1.4.1889)
Date
1889-04-01
Page
Seite 92 (sequence 20)
Language
German
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— 92 - Und so existirt dies vielfach verfolgte Volk und verlangt Gerechtigkeit, die ihm die Weltgeschichte nicht verweigern muß. — Am 15. Februar wurde Herr vr. Leo Sternbach zum Dozenten an der Universität Lemberg ernannt. — Herr Hermann Schwär; in Erlau fordert zur Beteiligung an einer von ihm zu unternehmenden Vergnügungsreise nach Jerusalem auf- Die Verpflegung unterwegs wird rituell sein. Die Reise soll mn Mitte Mai unternommen werden uno zwar von Budapest bis Salonicht per Bahn, von dort bis Jaffa zu Schiff. Die Reise soll 30 Tage dauern. Für die erste Klasse haben die Teilnehmer 360 fl. ö. W., für die zweite 280 fl. ö. W. und für die dritte 180 fl. ö. W., wofür sämtliche Auslagen, Fahrt und Beköstigung, bestritten werden, zu entrichten. — Aus Hattonya schreibt uns Herr Oberlehrer Ignatz Spitzer: Am 3. März feierte Herr Leopold Kosenberg, Sekretär der israel. Religionsgemeinde zu Arad, sein 40jähriges Dienstjubiläum. Der verdienstvolle Jubilar trat am 3. März 1849 — als Nachfolger seines im ungar. Freiheitskriege als Märtyrer gefallenen hochseligen Vaters Karl, der dieses Amt 30 Jahre bekleidete — an dessen Stelle. Seit dieser Zeit arbeitete der jugendliche Greis mit nie erlahmender Emsigkeit, mit nie erschlaffendem Geiste, an dem Aufblühen seiner Gemeinde, an der Fortentwicklung jener Wohlthätigkeitsinstitute, die der Jubilar selbst ins Leben gerufen. Mögen ihm noch zahlreiche Jahre beschieden sein, damit er als rüstiger Greis am Abende seines Lebens die Früchte der Humanitätssaat mit eigenen Augen sehe! — Der Philantrop Herr Baron M. Hirsch hat eine Stiftung von 120,000 fl. für arme Gewerbetreibende Ungarns, ohne Unterschied der Konfession, angelegt. Die Verwalterin dieser Summe ist die durch Edelsinn und Wohlthätigkeit weitgekannte Präsidentin des Budapester isr. Frauenvereins, Frau David Bischitz. — Im Frühjahr des Jahres 1887 fanden in der Nähe Budapests in Buda-Eörs antisemitische Krawalle statt. Die dortigen Schwaben dulden keinen Juden in ihrem Orte. Ein Jude, Namens Leopold Pollak, mietete trotzdem ein Kalkbergwerk. Kaum vernahm dies der schwäbische Janhagel, da rottete er sich um das Haus Pollak's und bedrohte das Leben der ganzen Familie. Der Schwager Pollaks, Herr Albert Mannswirth, sah die Gefahr und soll in die Menge geschossen haben. Einer der Krakehler fiel blutüberströmt tot zu Boden. Die ungar. Gerichte verurteilten ihn deshalb zu fünfjähriger Zuchthausstrafe. Nun tauchten aber solche Momente auf, daß Mannswirth plötzlich auf freien Fuß gesetzt wurde. Wie es sich nachher durch Augenzeugen bestätigte, hat ein Antisemit den tötlichen Schuß auf die Familie Pollak abgegeben. Der Schuß traf jedoch einen Aufrührer. Groß sind die Wege der Nemesis! — Se. Majestät Kaiser-König Fran; Josef I. hat unserem Glaubensgenossen, dem aus Kasch au gebürtigten und in Jerusalem an dem öfter. Spital fungirenden Arzt, Dr. Ignatz Schwach, das Großkreuz des Leopold-Ordens verliehen. Eine Auszeichnung, die selten einem Juden zu Teil wird! — Die ung. Regierung entsendet zu deni in Stockholm stattfindenden Orientalisten- Kongresse drei Deputirte und zwar: Prof. P. Hunfalvy, Arnim Kambsri und den Privat-Docent an der Budapester Universität Dr. Igna; Goldsieher. Die beiden letzteren sind Juden und berühmte Orientalisten. — Eine große Schreckenstat hält die Einwohner von Eperies (Säroser Kom.) in Aufregung. In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar wurde die Handelsfrau Wilhrlmine Klaubauf sammt ihrem Kommis ermordet und beraubt. Der Gatte der Unglücklichen war am Schreckenstage auf seiner Einkaufsreise in Wien. — Ein eben so gräßlicher Fall ereignete sich dieser Tage in Galgör; bei Neutra, wo die jüdische Schank-

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