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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 66

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
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dem Volk nicht immer nutzbringende Handels- und Finanzgebiet verweist. — Von Ernest Kenan ist der zweite Teil seiner Geschichte der Juden von der Regierung des Königs David bis zum Sturze des Reiches Israel erschienen. — Herr Dr. Stephan hat in der „La france medicale“ eine Reihe von Artikeln über jüdische Aerzte im Mittelalter veröffentlicht. — Im „Estafette" erhebt der geistvolle Publicist Jules Gase in Paris seine Stimme gegen den Antisemitismus. „Wahrlich", so schreibt der katholische Verfasser mit Bezug auf die Juden, „es giebt kein bewundernswürdigeres Schauspiel unglaublich zäher Lebenskraft. Obgleich stets besiegt, obwohl immer wehrlos, geht Israel doch immer siegreich aus diesen Kämpfen ums Dasein hervor. Wie die Geschichte lehrt, brachten dieselben ihren Urhebern nimmermehr Glück. Je mehr man dieses unglückliche Volk bedrückt, je toller und unmenschlicher man auf dasselbe einhaut, desto mehr vermehrt es sich, desto größer wird sein Einfluß gegenüber seinen ünerbittlichen Widersachern. Seine intellektuellen und moralischen Qualitäten stehen unerreicht da. Im Laufe der Jahrhunderte unter Sturm und Drang sind dieselben gereift. Ein fünfzehnjähriger Jude besitzt fast immer mehr Erfahrung, als ein dreißigjähriger Christ. Wie ein Küchelchen, das jetzt noch im Ei schlummert und wenige Stunden später, nachdem es die Kalkhülle mit dem Schnabel zerpickt, sich munter auf dem Hofe tummelt, genau so wird der Israelit für das praktische Leben geboren. —-Unsere Schwäche ist ihre Stärke. Die Antisemiten sind von Natur ungerecht. Sie haben nur Augen für die Fehler der Gegner, nicht aber für deren Vorzüge, obwohl letztere ungleich mehr in die Augen fallen, als diese. Den Mut, die Intelligenz, den unverwüstlichen Fleiß, welche Israel auszeichnen, wollen sie absichtlich nicht bemerken, und darum hat diese Bewegung keine Aussicht auf Erfolg, Wie die Welle im Ocean wird sie mit der Zeit verlaufen, verschwinden, aber Juda wird unerschüttert, unangefochten auch dann noch stehen, wenn die antisemitische Idee längst als Narrheit verworfen sein wird. Israel ist stärker, als Kurzsichtige es sich träumen lassen." — Herr Daran de Worms ist zum Priwh Councellor ernannt worden. Nur Sir Iestel wurde von Juden diese Auszeichnung früher schon zu Teil. — In London starb der Sekretär der jüdischen Gemeinde Herr Dr. Asher, ein durch seltene Eigenschaften des Geistes und des-Herzens ausgezeichneter Mann. Ein geläutertes auf geschichtlicher Tradition ruhendes Judentum zur Geltung zu bringen, war das innere Streben des edlen Mannes, der der Armen mit Teilnahme und wohlthätiger Hilfe sich annahm. — Herr Oberrabbiner Dr. U. Adler in London versendet einen Aufruf in hebräischer Sprache, worin vor der Einwanderung unserer Glaubensgenossen nach London gewarnt wird. — The Jewish Quarterly Review ist der Titel einer in London von S. Abrahams und E. G. Ulontefiore herausgegebeneu Vierteljahrschrift, welche wertvolle Aufsätze von Professor Graetz „Die Bedeutung des Judentums für die Gegenwart und Zukunft", von Dr. Neubauer „Die verlorenen zehn Stämme", Dr. Friedliindrr „Das Buch Koheleth" und von Herrn Schechtrr „Die Dogmen des Judentums" enthält. Nun hat auch England ein jüdisch-wissenschaftliches Organ, dem wir Erfolg und Gedeihen wünschen. — In Manchester hielt Rev. Dr. Strauß aus Dradford einen sehr anregenden Vortrag über Moses Mendelssohn. — Herr Prof. Aster wurde zum Kommissar der Rheinschifffahrt für die Niederlande ernannt. — In Italien sucht mau die Juden nicht wie anderwärts aus dem Verein des Roten Kreuzes zu verdrängen. Herr Advocat Kugusto Eave ist Generalserektär der „Croce Rosa", n. in Livorno ist Frau Anaelira Aahib Vorsitzende der dortigen Sektion dieses Ver-

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